top of page

Trockenfliege binden für Anfänger: Schritt für Schritt zur ersten Fliege

5. Sept.
4 Min. Lesezeit

Eine einfache Trockenfliege ist ideal, um die ersten Bindetechniken praktisch anzuwenden. Dabei geht es bewusst nicht um eine perfekte Schaustück-Fliege oder High-End-Materialien, sondern um eine einfache, funktionierende Fliege für das Wasser.

Nicht jedes Hechelfiber muss perfekt sitzen. Entscheidend sind saubere Grundtechniken, stimmige Proportionen und ein sicherer Umgang mit den Materialien. Dem Fisch ist es am Ende ziemlich egal, ob jede Faser perfekt ausgerichtet ist.

Bevor wir die komplette Trockenfliege binden, schauen wir uns zunächst zwei wichtige Arbeitsschritte an: das Einbinden des Schwänzchens und die Bestimmung der richtigen Hechelgröße.

Dafür verwende ich erneut bewusst einen orangefarbenen Bindefaden, damit die einzelnen Wicklungen und die Fadenführung im Video besser zu erkennen sind. Anschließend setzen wir alles in der vollständigen Bindeanleitung Schritt für Schritt zusammen.


Schrittweiser Aufbau einer sauber gebundenen Trockenfliege vom Grundkörper bis zur fertigen Fliege.
Vom Grundkörper bis zur fertigen Fliege – sauberes Fliegenbinden entsteht Schritt für Schritt.

1. Das Schwänzchen richtig einbinden

Für das Schwänzchen verwende ich einige Fibern aus einem Hahnenbalg oder Hahnsattel. Die Länge bestimme ich passend zum verwendeten Haken.

Beim Einbinden setze ich zunächst einige lockere Wicklungen. So lassen sich die Fibern noch verschieben und sauber ausrichten. Erst wenn Länge und Position stimmen, ziehe ich die Wicklungen fest.

Wichtig ist, nicht zu viel Material zu verwenden und auf eine stimmige Proportion zu achten.

Im Video zeige ich Schritt für Schritt, wie ich das Schwänzchen bestimme, ausrichte und einbinde.

Schwänzchen einer Trockenfliege sauber ausrichten und einbinden

2. Die richtige Hechelgröße bestimmen

Damit die Proportionen der Fliege stimmen, sollte die Hechel zur Größe und Form des verwendeten Hakens passen.

Es gibt dafür spezielle Hechellehren, die eine gute Orientierung geben können. Ganz exakt sind sie aber nur bedingt, denn Hakengrößen sind nicht einheitlich genormt. Ein Haken der Größe 14 kann je nach Hersteller und Modell deutlich anders ausfallen als ein anderer Haken derselben angegebenen Größe.

Deshalb bestimme ich die Hechel lieber direkt am verwendeten Haken. Dazu spreize ich die Hechelfibern etwas auseinander und lege den Kiel ungefähr auf die Achse des Hakens. Liegen die Spitzen der Fibern etwa auf Höhe der Hakenspitze, passt die Hechel in der Regel gut zu den Proportionen der Fliege.

Nach einiger Zeit entwickelt man dafür ohnehin ein gutes Auge und erkennt sehr schnell, welche Hechel zu welchem Haken passt.

Im Video zeige ich, wie ich die passende Hechelgröße direkt am Haken bestimme.

3. Eine einfache Trockenfliege binden für Anfänger

Jetzt setzen wir die bisherigen Grundlagen zusammen und binden eine einfache, praxistaugliche Trockenfliege. Bewusst halte ich auch diese Fliege so unkompliziert wie möglich.

Der komplette Körper wird mit nur einem Bindefaden aufgebaut. Für die Rippung verwende ich keinen zusätzlichen Faden oder Tinsel, sondern färbe den Bindefaden einfach mit einem Edding ein. Auch für den Kopf wird der Bindefaden vor den letzten Wicklungen entsprechend eingefärbt. So entsteht mit sehr wenig Material eine vollständige Trockenfliege.

Im Video zeige ich den gesamten Aufbau Schritt für Schritt – vom Schwänzchen bis zum fertigen Hechelkranz und Schlussknoten.

Einfache Trockenfliege Schritt für Schritt gebunden – mit Schwänzchen, konischem Körper, eingefärbter Rippung und Hechelkranz.

Verwendete Materialien

Die Fliege kann natürlich auch in anderen Farben gebunden werden, zum Beispiel in Braun, Schwarz oder Grün. Die Fliegen, die ich selbst binde, sind in der Regel etwas filigraner aufgebaut. Für den Abschluss wechsle ich deshalb häufig auf einen dünneren schwarzen Bindefaden. Dadurch trägt der Kopfknoten weniger auf und ich muss den Faden am Kopf nicht zusätzlich einfärben. Für diese Anleitung bleiben wir bewusst bei nur einem Faden, damit der Aufbau für Anfänger möglichst einfach und nachvollziehbar bleibt.

Zum Abschluss

Trockenfliegen binden für Anfänger

Gerade wenn man mit dem Fliegenbinden beginnt, sollte man sich nicht von perfekt gebundenen Fliegen auf Instagram, YouTube oder in Magazinen unter Druck setzen lassen. Dort sieht man häufig echte Eye Catcher, bei denen jede Faser sitzt und jedes Detail nahezu perfekt ausgearbeitet ist.

Hochwertige Materialien helfen natürlich dabei. Ein guter Whiting-Sattel, ausgesuchte Hecheln oder Coq de León machen es leichter, saubere Proportionen und eine gleichmäßige Optik zu erreichen. Wer sich solche Materialien leisten möchte, bekommt damit ohne Frage sehr gutes Bindematerial. Aber nicht jeder Anfänger möchte oder kann für einen einzelnen Sattel 100 Euro und mehr ausgeben – und das muss auch nicht sein.

Für eine Fliege, die ans Wasser soll, reichen gerade am Anfang oft deutlich einfachere Materialien. Dem Fisch ist es ziemlich egal, ob das Schwänzchen aus einer teuren Coq-de-León-Feder oder aus einem einfachen Hahnenbalg stammt. Entscheidend ist, dass Proportionen und vor allem die Silhouette stimmen und die Fliege auf dem Wasser funktioniert.

Deshalb mein Rat an Anfänger: Bindet eure Trockenfliegen und fischt sie auch. Wartet nicht darauf, bis jede einzelne Faser so sitzt wie auf einem perfekten Instagram-Foto. Mit jeder gebundenen und gefischten Fliege kommen Erfahrung und Sicherheit. Und vor allem: Habt Vertrauen in eure eigenen Fliegen. Der erste Erfolg am Wasser mit einer selbst gebundenen Fliege ist durch kein noch so perfektes Foto zu ersetzen.

Die hier gezeigte Trockenfliege ist bewusst einfach und traditionell gehalten – echte Old School. Gleichzeitig ist sie ein Universalmuster, das über die ganze Saison funktionieren kann, wenn man die Größe an die jeweilige Situation anpasst. Die ursprünglichen Varianten, wie ich sie kennengelernt habe, wurden teilweise sogar ganz ohne Schwänzchen gebunden.

Später werden auch Bindeanleitungen folgen, bei denen wir gezielt mit hochwertigeren Materialien arbeiten und deutlich mehr Wert auf ein perfektes Finish legen. Aber zuerst soll die Fliege ans Wasser – nicht in die Vitrine.


bottom of page