top of page

Fliegenrollen für die klassische Fliegenfischere

20. Aug.
11 Min. Lesezeit
Einhandrute mit Large-Arbor-Fliegenrolle beim Fliegenfischen im Fluss
Mit meiner Einhandrute und Large-Arbor-Rolle am Wasser.

Bei Fliegenrollen gehen die Meinungen weit auseinander.

Für die einen ist die Rolle lediglich ein Schnurspeicher. Für andere ist sie ein wichtiges Werkzeug mit technisch aufwendigem Bremssystem. Wieder andere sehen sie fast wie die Felge an einem Auto: Sie soll zur Rute passen, gut aussehen und das gesamte Setup optisch aufwerten.

Für mich ist eine Fliegenrolle deutlich mehr als nur ein Platz, an dem die Schnur aufbewahrt wird. Eine gute Fliegenrolle soll zuverlässig arbeiten, zur Rute passen und den Fischer über viele Jahre begleiten.

Hier möchte ich mich auf Fliegenrollen für Einhandruten und die klassische Fischerei auf Forellen, Äschen und Weißfische konzentrieren. Rollen für die gezielte Lachs-, Raubfisch- oder Salzwasserfischerei stellen teilweise andere Anforderungen und wären für mich ein eigenes Thema.

Ist die Rolle nur ein Schnurspeicher?

Mir wurde das Fliegenfischen ursprünglich so gezeigt, dass der Fisch weitgehend über die lose Fliegenschnur gedrillt wird und die Rolle dabei hauptsächlich als Schnurspeicher dient. Davon bin ich allerdings relativ schnell weggekommen.

Sobald es möglich ist, nehme ich die überschüssige Schnur auf und drille den Fisch über die Rolle und ihre Bremse. Für mich ist das kontrollierter, sauberer und vor allem sicherer.

Lose Schnur kann sich im Wasser, auf dem Boden oder zwischen Steinen verfangen. Sie kann:

  • verschmutzen,

  • beschädigt werden,

  • unter den Schuh geraten,

  • sich um Hindernisse legen,

  • verknoten,

  • oder im entscheidenden Moment unnötige Probleme verursachen.

Natürlich wird ein kleiner Fisch auf kurze Entfernung nicht immer sofort über die Rolle gedrillt. Bei einem stärkeren Fisch möchte ich die Schnur jedoch möglichst schnell sauber auf der Spule haben und den Drill über die Rolle kontrollieren.

Die Rolle ist deshalb für mich nicht nur Schnurspeicher, sondern ein funktionierender Teil des gesamten Systems.

Von kleinen Spulen zur Large-Arbor-Rolle

Wer ältere Fliegenrollen kennt, stellt schnell fest, wie klein und schmal viele dieser Rollen aus heutiger Sicht gebaut sind. Die Spulenkerne waren oft deutlich kleiner, wodurch die Fliegenschnur in engen Windungen auf der Rolle lag.

Mit der Zeit entwickelten sich daraus unterschiedliche Bauformen bis hin zu den heute weit verbreiteten Large-Arbor-Rollen. Dazwischen findet man auch sogenannte Mid-Arbor-Rollen. Persönlich halte ich von dieser Zwischenlösung nicht besonders viel. Wenn ich die Vorteile eines größeren Spulenkerns nutzen möchte, greife ich lieber gleich zu einer echten Large-Arbor-Rolle.

Eine Large-Arbor-Rolle besitzt einen deutlich größeren Spulenkern und damit einen größeren Wickeldurchmesser. Das bringt aus meiner Sicht mehrere praktische Vorteile:

  • Die Schnur wird in größeren Windungen aufgenommen.

  • Sie entwickelt weniger starke Kringel.

  • Der Memory-Effekt fällt geringer aus.

  • Die Schnur kann schneller eingeholt werden.

  • Der wirksame Spulendurchmesser bleibt größer.

  • Die Bremswirkung verändert sich bei auslaufender Schnur weniger stark.

Gerade europäische und insbesondere skandinavische Hersteller haben die Entwicklung moderner Large-Arbor-Rollen stark geprägt. Das Konzept wird unter anderem eng mit dem schwedischen Entwickler Kurt Danielsson und LOOP verbunden.

Heute ist die Large-Arbor-Bauweise bei modernen Fliegenrollen weit verbreitet. Für mich ist sie bei der klassischen Fliegenfischerei die überzeugendste Bauform.

Das bedeutet nicht, dass klassische Rollen mit kleinerem Spulenkern schlecht sind. Gerade an leichten oder traditionellen Ruten können sie sehr schön wirken und ihren eigenen Reiz haben. Für den praktischen Alltag würde ich persönlich jedoch fast immer eine Large-Arbor-Rolle bevorzugen.

Backing ist nicht nur Fluchtreserve

Die Backing-Kapazität einer Fliegenrolle wird von Herstellern häufig in Yards angegeben.

Zur groben Orientierung:

  • 50 Yards entsprechen ungefähr 46 Metern

  • 100 Yards entsprechen ungefähr 91 Metern

  • 150 Yards entsprechen ungefähr 137 Metern

  • 200 Yards entsprechen ungefähr 183 Metern

Für die normale Forellen- und Äschenfischerei reichen häufig etwa 50 bis 100 Meter Backing vollkommen aus.

Die allermeisten Fliegenfischer erleben nur sehr selten einen Fisch, der die gesamte Fliegenschnur von der Rolle zieht und anschließend weit ins Backing läuft.

Das kann natürlich passieren, beispielsweise bei:

  • sehr kampfstarken Wildfischen,

  • großen Seen,

  • starker Strömung,

  • großen Salmoniden,

  • Meerforellen,

  • Raubfischen,

  • oder im Salzwasser.

Beim normalen Forellenfischen an unseren Flüssen ist eine enorme Backing-Kapazität jedoch meistens kein entscheidendes Kaufargument.

Backing erfüllt aber noch eine zweite wichtige Aufgabe.

Es füllt die Spule auf und sorgt dafür, dass die Fliegenschnur weiter außen auf einem größeren Durchmesser liegt. Wird eine Fliegenschnur ohne genügend Backing sehr eng auf einen kleinen Spulenkern gewickelt, entstehen stärkere Kringel.

Durch eine passende Menge Backing wird die Fliegenschnur in größeren Windungen aufgenommen. Dadurch entsteht meist weniger Memory-Effekt und die Schnur lässt sich angenehmer handhaben.

Die Rolle sollte aber auch nicht vollständig bis zum Rand gefüllt werden. Zwischen Fliegenschnur und Spulenrand sollte noch etwas Platz bleiben, damit die Schnur sauber aufgespult werden kann.

Aus welchen Materialien werden Fliegenrollen hergestellt?

Bei modernen Fliegenrollen trifft man hauptsächlich auf drei Material- und Herstellungsgruppen.

Kunststoff und Verbundmaterialien

Im günstigeren Bereich gibt es Rollen aus Kunststoff oder faserverstärkten Verbundmaterialien. Teilweise werden diese Werkstoffe mit Begriffen wie Carbon-Composite oder Graphit-Verbundmaterial beschrieben.

Solche Rollen sind häufig leicht, funktional und vergleichsweise günstig. Früher wirkten viele dieser Modelle optisch deutlich einfacher als Aluminiumrollen. Mittlerweile gibt es aber auch in diesem Bereich sehr sauber gestaltete und durchaus schöne Rollen, denen man den günstigeren Werkstoff auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht.

Für den Einstieg können solche Rollen vollkommen ausreichend sein. Wichtig ist, dass:

  • Spule und Gehäuse sauber laufen,

  • die Schnur nicht eingeklemmt wird,

  • die Bremse zuverlässig funktioniert,

  • und die Rolle vernünftig zur Rute passt.

Von einem namhaften Hersteller kann auch eine einfache Verbundrolle viele Jahre zuverlässig funktionieren. Gerade wenn Gewicht, Preis und Praxistauglichkeit im Vordergrund stehen, kann das eine sehr vernünftige Lösung sein.

Viele Rollen der unteren und mittleren Preisklasse werden im Druckgussverfahren hergestellt. Dabei wird flüssiges Aluminium in eine Form eingebracht. Dieses Verfahren ermöglicht stabile und funktionierende Rollen zu einem vernünftigen Preis.

Druckgussrollen können über viele Jahre zuverlässig arbeiten. Ich selbst fische ein solches Modell, und auch einige meiner Freunde nutzen vergleichbare Rollen seit mehr als 15 Jahren. Das zeigt für mich sehr deutlich, dass eine Rolle nicht zwingend aus dem Vollen gefräst sein muss, um dauerhaft zuverlässig zu funktionieren.

Sie sind möglicherweise nicht ganz so fein bearbeitet, leicht oder widerstandsfähig wie eine hochwertige gefräste Rolle. Für die normale Forellen- und Äschenfischerei reichen sie aber in sehr vielen Fällen vollkommen aus.

Hochwertigere Rollen werden häufig aus einem massiven Aluminiumblock beziehungsweise aus Vollmaterial gefräst. Gehäuse und Spule werden dabei mit CNC-Maschinen präzise aus dem Aluminium herausgearbeitet.

Das ermöglicht:

  • sehr genaue Formen,

  • geringe Fertigungstoleranzen,

  • hohe Stabilität,

  • geringes Gewicht,

  • präzise Übergänge,

  • und hochwertige Oberflächen.

Diese Herstellung ist aufwendiger als Druckguss. Außerdem entsteht beim Fräsen ein erheblicher Materialverlust. Ein großer Teil des ursprünglichen Aluminiumblocks wird als Späne abgetragen.

Bei einer gefrästen Rolle bezahlt man deshalb nicht nur für das Material. Im Preis stecken auch:

  • Bearbeitungszeit,

  • Maschinenaufwand,

  • Präzision,

  • Oberflächenbehandlung,

  • Qualitätskontrolle,

  • und Materialverlust.

Wer bei einer Fliegenrolle besonderen Wert auf hochwertige Optik, präzise Verarbeitung und maximale Robustheit legt, kommt an einer Fliegenrolle aus Vollaluminium kaum vorbei.

Offener Rahmen oder Full Frame?

Bei vielen klassischen Fliegenrollen sitzt die Spule in einem seitlich offenen Rahmen. Diese Bauweise ist leicht und für die normale Forellen- und Äschenfischerei vollkommen ausreichend.

Daneben gibt es Full-Frame-Rollen, bei denen der Rahmen die Spule vollständig umschließt. Ich selbst fische solche Rollen schon seit vielen Jahren und schätze vor allem, dass dünne Schnüre und Vorfachmaterial kaum zwischen Spule und Rahmen geraten können.

Heute sind Full-Frame-Rollen besonders bei Euro-Nymph-Fischern beliebt. Dabei ist diese Bauweise keineswegs erst mit dem modernen Euro-Nymphing entstanden, sondern gab es bereits lange vorher.

Für mich ist Full Frame deshalb keine reine Euro-Nymph-Lösung, sondern grundsätzlich eine sehr praktische Bauweise. Für die klassische Fischerei ist sie aber kein Muss.

Das Bremssystem

Bei den Bremssystemen gibt es unterschiedliche Lösungen.

Klick- oder Ratschenbremse

Klassische leichte Rollen besitzen teilweise nur ein einfaches Klicksystem.

Dabei wird die Spule durch eine mechanische Ratsche leicht gebremst. Diese Rollen sind technisch einfach, leicht und besitzen oft einen charakteristischen Klang.

Für die feine Forellen- und Äschenfischerei kann das vollkommen ausreichen.

Der Fischer reguliert den Druck dann stärker über:

  • die Rute,

  • die Hand an der Spule,

  • die Schnur,

  • und die eigene Drilltechnik.

Solche Rollen können sehr viel Freude machen. Sie sind nicht automatisch schlechter, nur weil ihr Bremssystem einfacher aufgebaut ist.

Scheibenbremse

Viele moderne Rollen besitzen eine einstellbare Scheibenbremse.

Damit lässt sich der Widerstand genauer regulieren. Bei starken Fischen, dünnen Vorfächern oder starker Strömung kann das einen deutlichen Vorteil bringen.

Entscheidend ist nicht, wie kompliziert das Bremssystem beworben wird.

Wichtig ist, dass die Bremse:

  • weich anläuft,

  • nicht ruckelt,

  • gleichmäßig arbeitet,

  • fein einstellbar ist,

  • und zuverlässig bleibt.

Eine Bremse, die beim Anlaufen kurz blockiert und danach plötzlich Schnur freigibt, kann ein feines Vorfach stärker belasten als ein einfaches, aber sauber arbeitendes System.

Gekapselte und nicht gekapselte Bremssysteme

Viele moderne Fliegenrollen besitzen ein vollständig oder weitgehend gekapseltes beziehungsweise abgedichtetes Bremssystem. Dadurch sind die Bremskomponenten besser gegen Wasser, Schmutz, Sand und andere äußere Einflüsse geschützt.

Daneben gibt es Rollen mit nicht vollständig gekapselten Bremssystemen sowie klassische Klick- oder Ratschenbremsen. Auch diese können über viele Jahre zuverlässig funktionieren. Sie benötigen je nach Konstruktion lediglich etwas mehr Aufmerksamkeit bei Reinigung und Pflege.

Für die normale Forellen- und Äschenfischerei ist ein vollständig gekapseltes Bremssystem kein Muss. Bei häufiger Nutzung im Wasser, bei Schmutz und Sand oder im Salzwasser bietet es jedoch klare Vorteile.

Eine besondere Bauform sind semi-automatische Fliegenrollen, wie beispielsweise die Soldarini-Modelle in meinem Shop.

Durch das Betätigen eines Hebels wird lose Schnur sehr schnell wieder auf die Spule gezogen. Der Fisch wird dabei nicht automatisch eingeholt. Die Rolle erleichtert lediglich das schnelle Aufnehmen überschüssiger Schnur.

Solche Rollen werden hauptsächlich beim Euronymphenfischen und teilweise in der Wettkampffischerei eingesetzt. Dort arbeitet man häufig mit relativ kurzen und ständig wechselnden Schnurlängen. Nach einer Drift kann die lose Schnur schnell aufgenommen werden, ohne sie mehrfach von Hand einzukurbeln.

Für die klassische Trockenfliegen- und Nymphenfischerei sind semi-automatische Rollen kein Muss. Für Fliegenfischer, die viel mit direkter Nymphenführung arbeiten oder einen besonders schnellen Schnureinzug schätzen, können sie jedoch sehr praktisch sein.

Welche Rollengröße passt zur Rute?

Fliegenrollen werden häufig für mehrere benachbarte Schnurklassen angeboten, beispielsweise:

Diese Angaben geben eine grobe Orientierung, welche Schnur und Backing-Menge auf die Rolle passen und für welche Ruten sie vom Gewicht her vorgesehen ist.

Eine Rolle sollte außerdem vernünftig zur Rute passen.

Eine sehr schwere Rolle kann eine leichte Rute unnötig hecklastig machen. Eine extrem leichte Rolle kann an einer langen oder deutlich kopflastigen Rute ebenfalls unangenehm wirken.

Trotzdem würde ich die Balance nicht bis auf das letzte Gramm berechnen.

Die Rolle sollte sich an der montierten Rute einfach angenehm anfühlen.

Für die normale Forellen- und Äschenfischerei reicht meistens eine Rolle, die für die jeweilige Rutenklasse oder einen kleinen Klassenbereich ausgelegt ist.

Links- oder Rechtshandbetrieb

Die meisten modernen Fliegenrollen lassen sich von Links- auf Rechtshandbetrieb oder umgekehrt umbauen.

Viele Fliegenfischer halten die Rute mit der rechten Hand und kurbeln mit der linken. Andere bevorzugen es genau andersherum.

Wichtig ist lediglich, dass die Rolle in der gewünschten Richtung Schnur aufnimmt und in der anderen Richtung über die Bremse Schnur freigibt.

Der Umbau unterscheidet sich je nach Modell. Häufig wird ein Lager, ein Freilauf oder ein Bauteil im Inneren gedreht.

Bei einer neuen Rolle sollte man deshalb kurz kontrollieren, für welche Hand sie ab Werk eingestellt ist.

Europa und die USA auf Augenhöhe

Bei Fliegenrollen sehe ich Europa und die USA technisch auf Augenhöhe.

Europäische und besonders skandinavische Hersteller haben mit Entwicklungen wie der Large-Arbor-Rolle entscheidende Impulse gesetzt. Sie haben Rollen entwickelt, die funktional, technisch ausgereift und teilweise bis heute richtungsweisend sind.

Amerikanische Hersteller stehen ihnen aber in nichts nach.

Ein gutes Beispiel ist Lamson. Lamson ist besonders für sehr leichte Rollen, moderne Konstruktionen und technisch ausgefeilte Bremssysteme bekannt. Solche Hersteller zeigen, wie weit sich geringes Gewicht, Stabilität und Bremsleistung miteinander verbinden lassen.

Auch andere amerikanische Marken verfügen über große Erfahrung, bekannte Designs, traditionsreiche Fertigung und leistungsfähige Bremssysteme.

Für mich ist das bei Rollen deshalb ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Anders als bei einer hochpreisigen Fliegenrute würde ich bei einer Rolle nicht automatisch zu einem amerikanischen Modell greifen.

Europäische Rollen können technisch, optisch und qualitativ absolut auf demselben Niveau liegen und haben bei einzelnen Entwicklungen sogar Maßstäbe gesetzt.

Rollen aus Fernost

Viele europäische und amerikanische Hersteller entwickeln ihre Rollen selbst, lassen bestimmte Modelle oder komplette Serien aber nach eigenen Vorgaben in Fernost fertigen.

Solche Rollen können sauber verarbeitet und technisch sehr gut sein.

Entscheidend sind:

  • die Konstruktion,

  • die Vorgaben des Herstellers,

  • die verwendeten Materialien,

  • die Qualitätskontrolle,

  • das Bremssystem,

  • und die Ersatzteilversorgung.

Trotzdem würde ich diesen Bereich im Vergleich zu eigenständig in Europa oder den USA gefertigten Rollen bewusst etwas zurückhaltender einordnen.

Bei einer günstigen oder mittelpreisigen Rolle kann eine Fertigung in Fernost ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglichen.

Bei einer sehr hochpreisigen Rolle spielen für mich persönlich aber auch Herkunft, Fertigung, Tradition und Eigenständigkeit eine Rolle.

Wenn ich bewusst viel Geld für eine Rolle ausgebe, würde ich eher zu einem Modell tendieren, das tatsächlich in Europa oder den USA entwickelt und gefertigt wurde.

Das bedeutet nicht, dass eine in Fernost gefertigte Rolle schlecht ist. Viele dieser Modelle funktionieren hervorragend.

Ich würde bei der Bewertung aber klar unterscheiden zwischen:

  • technisch gut funktionierend,

  • hochwertig verarbeitet,

  • und tatsächlich eigenständig in einer europäischen oder amerikanischen Manufaktur gefertigt.

Design und Optik

Eine Rolle soll funktionieren. Trotzdem darf sie auch gut aussehen.

Für viele Fliegenfischer ist die Rolle ein Schmuckstück an der Rute.

Farbe, Form, Oberfläche und Design können das gesamte Setup optisch aufwerten.

Das ist vollkommen legitim.

Wer viel Geld für eine schöne Rute ausgibt, möchte häufig auch eine Rolle, die optisch dazu passt.

Man sollte nur unterscheiden:

Bezahle ich für eine notwendige technische Funktion oder zusätzlich für Design, Herkunft, Verarbeitung und persönliche Freude?

Beides ist erlaubt.

Eine schlichte Rolle für 100 Euro kann technisch alles leisten, was man am normalen Forellenfluss benötigt.

Eine Rolle für 500 oder 800 Euro kann zusätzlich leichter, feiner verarbeitet, besonders gestaltet oder in einer bekannten Manufaktur gefertigt sein.

Das macht sie nicht automatisch notwendig. Sie kann für den Besitzer trotzdem ihren Wert haben.

Welche Rolle bekommt man für welches Geld?

Rollen bis ungefähr 100 Euro

Bereits zwischen etwa 50 und 100 Euro gibt es bei namhaften Herstellern brauchbare Einsteigerrollen.

Je nach Modell bestehen sie aus Kunststoff, Verbundmaterial oder Aluminiumdruckguss.

Sie erfüllen die wichtigsten Aufgaben:

  • Schnur speichern,

  • sauber laufen,

  • eine grundlegende Bremse bieten,

  • zur Rute passen,

  • und viele Jahre funktionieren.

Für einen Anfänger kann eine solche Rolle vollkommen ausreichen.

Rollen zwischen ungefähr 100 und 250 Euro

In diesem Bereich findet man sehr viele gute Rollen.

Sie bieten häufig:

  • bessere Verarbeitung,

  • präzisere Bremssysteme,

  • geringeres Gewicht,

  • sauberere Oberflächen,

  • stabilere Spulen,

  • und teilweise bereits gefräste Aluminiumbauteile.

Für die klassische Forellen- und Äschenfischerei bekommt man hier aus meiner Sicht bereits alles, was praktisch notwendig ist.

Für viele Fliegenfischer liegt in diesem Bereich wahrscheinlich das vernünftigste Verhältnis aus Preis, Qualität und Haltbarkeit.

Rollen ab ungefähr 250 Euro

Ab etwa 250 Euro beginnt für mich bei Fliegenrollen der hochpreisige Bereich.

Dann bezahlt man zunehmend auch für:

  • aufwendige Fertigung,

  • vollständig gefrästes Aluminium,

  • gekapselte Bremssysteme,

  • besonders geringes Gewicht,

  • Design,

  • Marke,

  • Herstellungsort,

  • Tradition,

  • geringe Stückzahlen,

  • und besondere Oberflächen.

Solche Rollen können technisch hervorragend sein.

Für die normale Forellenfischerei sind sie aber nicht zwingend erforderlich.

Bei einer hochpreisigen Rolle geht es häufig auch um Freude, Wertigkeit, Herkunft und persönliche Vorlieben.

Welche Rolle braucht ein Anfänger?

Für einen Anfänger in der klassischen Forellen- und Äschenfischerei würde ich keine extrem teure Rolle empfehlen.

Wichtig sind:

  • passende Größe zur Rute,

  • zuverlässige Bremse,

  • saubere Verarbeitung,

  • einfacher Spulenwechsel,

  • Links- oder Rechtshandbetrieb,

  • und ein angenehmes Gewicht.

Eine gute Rolle zwischen ungefähr 80 und 150 Euro kann bereits alles bieten, was ein Anfänger über viele Jahre benötigt.

Wer später besondere Wünsche entwickelt, kann immer noch in eine leichtere, schönere oder technisch aufwendigere Rolle investieren.

Mein Fazit

Eine Fliegenrolle ist für mich mehr als nur ein Schnurspeicher.

Sie hält die Schnur geordnet, hilft bei der Kontrolle eines starken Fisches und ist ein wichtiger Teil des gesamten Setups.

Für die klassische Forellen-, Äschen- und Weißfischerei sind für mich vor allem einige Punkte entscheidend:

  • Eine einfache Rolle eines namhaften Herstellers kann viele Jahre zuverlässig arbeiten.

  • Eine sauber arbeitende Bremse ist wichtiger als komplizierte technische Beschreibungen.

  • Große Backing-Mengen sind für die meisten Flüsse nicht entscheidend, Backing hilft aber auch dabei, den Wickeldurchmesser zu vergrößern.

  • Large-Arbor-Rollen sind für mich heute die überzeugendste Bauform.

  • Full Frame ist besonders bei dünnen Schnüren praktisch, aber kein Muss.

  • Semi-automatische Rollen haben vor allem beim Euronymphenfischen und in der Wettkampffischerei ihre Vorteile.

  • Europa und die USA bieten Rollenbau auf sehr hohem Niveau.

  • Design, Verarbeitung, Herkunft und persönliche Freude dürfen bei der Auswahl ebenfalls eine Rolle spielen.

Bis ungefähr 100 Euro gibt es bereits brauchbare Einsteigermodelle. Zwischen etwa 100 und 250 Euro findet man sehr viele gute und langlebige Rollen. Alles darüber ist für mich bereits hochpreisig und häufig auch eine Frage von Verarbeitung, Design, Herkunft, Marke und persönlicher Leidenschaft.

Am Ende soll eine Rolle zur Rute passen, zuverlässig arbeiten und dem Fischer gefallen.

Mehr braucht es für die klassische Fliegenfischerei in den meisten Fällen nicht.

bottom of page