Primal REVEL CS #4 in 8 Fuß im Wurftest – fein, präzise und erstaunlich kraftvoll

Nach der REVEL CS #5 wollte ich wissen, wie sich die kleinere Primal REVEL CS #4 in 8 Fuß, also rund 2,44 Meter, verhält.
Schon beim ersten Anfassen war der Unterschied deutlich.
Die Rute wirkt feiner und insgesamt filigraner. Besonders aufgefallen ist mir der ausgesprochen schlanke und elegante, ungeschliffene Blank. Das ist mein persönlicher Eindruck – den Blankdurchmesser habe ich nicht gemessen.
Auch diesmal ging es ausschließlich um einen Wurftest. Ich habe die Rute noch nicht am Wasser gefischt und keinen Fisch damit gedrillt.
Mich interessierte vor allem, wie früh sie anspricht, wie sie sich auf realistischen Fischereidistanzen verhält und wo bei einer kurzen 8-Fuß-Rute die Grenzen beginnen.
Aufbau und erster Eindruck
Sehr gut gefällt mir der Zigarrengriff.
Gerade bei einer kurzen 4er passt diese Griffform für mich hervorragend. Sie ermöglicht unter anderem eine Wurftechnik mit dem Zeigefinger auf dem Griff und damit eine sehr gezielte Führung der Rute.
Die Beringung besteht aus einem Leitring, sieben Schlangenringen und einem Spitzenring.
Die Ringe sitzen sauber und auch die Zapfenverbindungen sind ordentlich verarbeitet. Beim Zusammenstecken sitzt alles fest, nichts wackelt und die einzelnen Rutenteile passen sauber zusammen.

Auch bei der REVEL CS #4 gibt es keine Ausrichtungspunkte an den Rutenteilen. Beim Zusammenstecken orientiert man sich deshalb klassisch an den Ringen.
Kork und Verarbeitung entsprechen für mich ungefähr dem Niveau, das ich bereits bei der 5er REVEL CS gesehen habe.
Keine Meisterklasse – aber für diese Preisklasse absolut ordentlich und funktional.
Am Rollenhalter sind bei meinem Exemplar kleinere Klebereste sichtbar. Genau an solchen Details erkennt man natürlich einen Unterschied zu deutlich teureren Premiumruten. Funktional stört mich das allerdings nicht.

Rolle und Schnur im Test
Getestet habe ich die Rute mit meiner Franklin Loomis Rolle und einer Scientific Anglers SBT in Klasse 4.
Die SBT kenne ich gut und habe sie bereits separat getestet. Gleiches gilt für die Scientific Anglers AirCel Short, die für mich ebenfalls sehr gut zu einer kurzen 4er und kurzen bis mittleren Distanzen passt.
Wenn an einem Gewässer mehr Rückraum vorhanden ist und etwas mehr Schnur kontrolliert in der Luft gehalten werden soll, wäre für mich zusätzlich eine Scientific Anglers VPT eine interessante Option.
Für diesen Wurftest blieb ich bewusst bei der SBT, weil ich diese Kombination gut kenne und dadurch den Charakter der REVEL CS #4 sauber beurteilen konnte.
Bereits mit 1,5 bis 2 Metern Schnur arbeitet die Rute
Das Erste, was mich beim Werfen überrascht hat:
Die Rute spricht extrem früh an.
Bereits mit ungefähr 1,5 bis 2 Metern Schnur außerhalb der Rutenspitze beginnt sie zu arbeiten.
Natürlich kann die SBT dabei eine Rolle spielen. Die Kombination aus Schnur und Rute passt offensichtlich sehr gut zusammen.
Aber genau dieses frühe Ansprechen halte ich bei einer kurzen Bach- und Forellenrute für sehr wichtig.
Auf engem Raum möchte ich nicht erst viel Schnur draußen haben müssen, bevor die Rute funktioniert.
Bis etwa 10 Meter – genau ihr Revier
Im Nahbereich funktioniert die Rute ausgesprochen gut.
Bis ungefähr fünf Meter ließ sie sich sehr gezielt auf verschiedene Punkte führen. Auch zwischen fünf und zehn Metern fühlte sie sich sehr natürlich an und setzte Richtungsänderungen ohne Hektik um.
Gerade hier machen die kurze Rutenlänge, der Zigarrengriff und der arbeitende obere Blankbereich viel Sinn.
Die Rute fühlt sich leicht, direkt und trotzdem angenehm an.
Über 10 Meter wird Zugunterstützung hilfreich
Mit der verwendeten SBT habe ich gemerkt, dass oberhalb von ungefähr zehn Metern eine leichte Zugunterstützung sinnvoll wird.
Nicht extrem viel.
Aber die Rute wirft die Schnur nicht einfach von alleine immer weiter hinaus.
Sauberes Timing und ein vernünftiger Zug helfen deutlich.
Für mich ist das bei einer 8-Fuß-Rute vollkommen in Ordnung.
Diese Rute soll nicht möglichst viel Schnur irgendwie auf Distanz bringen. Sie soll dort funktionieren, wo solche Ruten tatsächlich gefischt werden.
Bis etwa 16 Meter – der entscheidende Bereich
Meine eigentliche Fishing Range lag auch bei diesem Test ungefähr bis 16 Meter.
Und diesen Bereich deckt die REVEL CS #4 wirklich sehr gut ab.
Ich habe dort mehrere verschiedene Zielpunkte angeworfen.
Bis etwa 16 Meter bleibt die Rute sehr kontrolliert und präzise und deckt für mich damit den entscheidenden Bereich beim Fischen vollständig ab.
Für meine persönliche Fischerei ist das ohnehin mehr als genug.
Die meisten Situationen, in denen ich mit einer 8-Fuß-#4 unterwegs wäre, spielen sich deutlich näher ab.
20 Meter gehen – danach wird es anspruchsvoll
Auch Würfe bis ungefähr 20 Meter sind möglich.
Das ist für mich aber bereits die obere Grenze dessen, was mit dieser Kombination noch sinnvoll und reproduzierbar ist.
Darüber hinaus komme ich durchaus noch weiter.
Dann benötigt es allerdings sehr sauberes Timing, deutlich mehr Zugunterstützung und der Wurf wird wesentlich technischer.
Vor allem die punktgenaue Präsentation wird schwieriger.
Und genau da stellt sich für mich die Frage:
Warum sollte eine 8-Fuß-#4 überhaupt für solche Distanzen optimiert sein?
Für mich liegt ihre Aufgabe eindeutig woanders.
Schnell – aber nicht unangenehm steif
Vom Charakter her empfinde ich die REVEL CS #4 eindeutig als schnelle Rute.
Gleichzeitig wirkt sie nicht übermäßig steif.
Mein Eindruck beim Werfen ist, dass besonders das obere Drittel des Blanks deutlich arbeitet, während die Rute nach unten hin kräftiger wird.
Dadurch entsteht eine interessante Mischung.
Die Spitze vermittelt Gefühl und unterstützt die Präsentation, während der untere Teil genügend Stabilität und Rückgrat besitzt.
Gerade deshalb wirkt die Rute auf mich fein, aber keineswegs schwach.
Eine Rute für Äschen und Forellen
Für mich ist die REVEL CS #4 eine sehr interessante Rute für Äschen und Forellen.
Sie besitzt genug Feinfühligkeit für saubere Trockenfliegenpräsentationen und feinere Vorfächer, wirkt gleichzeitig aber direkt genug, wenn der Anhieb sitzen muss.
Auch bei starken Forellen und kräftigen Äschen vermittelt mir der Blank vom Charakter her genügend Reserven.
Das ist allerdings bewusst nur meine Einschätzung aus dem Wurftest.
Wie sich die Rute tatsächlich unter Belastung im Drill verhält, kann ich erst beurteilen, wenn ich sie am Wasser gefischt habe.
Vom ersten Eindruck her gefällt mir gerade diese Kombination:
fein genug für Äsche und Trockenfliege, kräftig genug für starke Forellen.
Bach, kleiner Fluss und wenig Platz
Ich sehe die Rute vor allem an Bächen sowie kleinen bis mittelgroßen Flüssen.
Auch bei niedrigen Wasserständen, wenn vorsichtige Fische unauffällig angefischt werden müssen, passt dieser Rutentyp für mich sehr gut.
Gerade dort, wo wenig Platz vorhanden ist, spielt die kurze 8-Fuß-Länge ihre Vorteile aus.
Seitliche Würfe lassen sich sehr gut ausführen.
Besonders interessant wird das unter überhängenden Ästen oder Büschen.
Ich habe deshalb bewusst auch Würfe getestet, bei denen die Rute seitlich und die Schnur sehr flach geführt wird.
So lässt sich die Fliege knapp über der Wasseroberfläche unter Hindernisse präsentieren, wo ein normaler Überkopfwurf kaum möglich wäre.
Genau solche Situationen gehören für mich zur klassischen Pirschfischerei.
Präzise präsentieren, ohne viel Raum für den Wurf zu benötigen.
Auch an größeren Forellengewässern einsetzbar
Die kurze Länge bedeutet für mich nicht automatisch, dass die Rute ausschließlich an kleinen Bächen eingesetzt werden kann.
An einem Gewässer wie der Deutschen Traun könnte ich mit ihr praktisch alle für mich relevanten Bereiche abdecken.
Mit entsprechender Technik lässt sich die Rute dort sehr vielseitig einsetzen – vom Nahbereich über seitliche Präsentationen bis hin zu den normalen Fischereidistanzen.
Die 8-Fuß-Länge schränkt die Rute für mich deshalb deutlich weniger ein, als man zunächst vielleicht vermuten würde.
Wofür sie nicht gedacht ist
Ebenso wichtig ist für mich zu sagen, wofür ich diese Rute nicht einsetzen würde.
Sie ist für mich keine Rute für schwere Nymphen, große Streamer oder andere schwere Fliegenkombinationen.
Auch maximale Wurfweite gehört nicht zu ihren Aufgaben.
Wer große Fliegen weit transportieren möchte, sollte eine andere Rutenklasse und vermutlich auch eine andere Länge wählen.
Das ist aber keine Schwäche der REVEL CS #4.
Es ist schlicht nicht ihre Aufgabe.
Mein Fazit zur Primal REVEL CS #4
Die Primal REVEL CS #4 in 8 Fuß hat mir im Wurftest sehr gut gefallen.
Sie wirkt schlank und elegant, spricht bereits mit extrem wenig Schnur an und fühlt sich auf kurzen und mittleren Distanzen sehr stimmig an.
Bis ungefähr 16 Meter deckt sie für mich praktisch alles ab, was ich mit einer solchen Rute normalerweise fischen möchte.
Bis etwa 20 Meter sind ebenfalls gute Würfe möglich. Darüber hinaus wird die Kombination deutlich technischer und verlangt nach sauberem Timing und stärkerer Zugunterstützung.
Aber genau dort liegt für mich auch nicht der Sinn einer 8-Fuß-#4.
Ihre Stärke liegt in der klassischen Forellen- und Äschenfischerei.
Trockenfliegen sowie kleinen bis mittelgroßen Nymphen.
Feinere Präsentationen.
Kurze und mittlere Distanzen.
Seitliche Würfe.
Überhängende Äste.
Bäche und kleinere bis mittelgroße Flüsse.
Und gleichzeitig genügend Rückgrat, wenn der Anhieb sitzen muss oder ein stärkerer Fisch einsteigt.
Bei der Verarbeitung sieht man an kleinen Details wie den Kleberesten am Rollenhalter, dass man keine handwerkliche Premiumklasse kauft.
Beim Werfen interessiert mich das allerdings nur am Rand.
Denn dort macht die Rute genau das, was sie soll.
Für jemanden, der eine bezahlbare, schnelle und sehr stimmige 4er für die klassische Fischerei auf Äsche und Forelle sucht, ist die Primal REVEL CS #4 in 8 Fuß für mich eine sehr interessante Rute – fein genug für die Pirsch und mit deutlich mehr Reserven, als ihr schlanker Blank zunächst vermuten lässt.




