Primal REVEL CS #5 im Wurftest – viel Power, präzise in der Fishing Range

Die Primal REVEL CS #5 in 9 Fuß, also rund 2,74 Meter, wollte ich ganz bewusst ohne große Erwartungen werfen. Kein Test am Wasser und kein Fisch an der Rute – sondern zunächst ein reiner Wurftest.
Mich interessierte vor allem:
Wie früh spricht die Rute an?Wie präzise lässt sie sich auf realistischen Distanzen werfen?Wie verhält sie sich bei etwas Wind?Und welche Reserven stecken tatsächlich in ihr?
Parallel hatte ich auch die Scott Session #5 in 9 Fuß dabei. Nicht, um daraus einen Sieger-Verlierer-Vergleich zu machen – dafür liegen beide Ruten preislich und konzeptionell zu weit auseinander. Aber natürlich hilft es, zwei 5er am selben Tag, mit derselben Schnur und unter denselben Bedingungen zu werfen.
Und bei der Primal war nach den ersten Würfen ziemlich schnell klar:
Diese Rute hat Power.
Aufbau und erster Eindruck
Schon beim Zusammenbauen liegt die REVEL CS angenehm in der Hand. Beim ersten Schwingen vermittelt sie sofort einen kräftigen Eindruck. Für eine 5er wirkt sie nicht weich oder zurückhaltend, sondern eher so, als hätte sie noch einiges an Reserve.
Primal beschreibt die REVEL CS als Fast-Action-Rute. Der Hersteller nennt einen hochmoduligen 55MSI-Blank, die Carbon-Scrim-Technologie (CS) sowie eine Längsfaserausrichtung – LFA. Ziel dieser Konstruktion ist laut Hersteller ein leichter, schneller und gleichzeitig belastbarer Blank mit hoher Rückstellgeschwindigkeit.
Der Blank selbst ist ungeschliffen, die Rute ist mit Zapfenverbindungen aufgebaut.
Der Griff ist als Full-Wells-Korkgriff ausgeführt. Der Rollenhalter besitzt eine Holzeinlage und metallische Komponenten und passt optisch gut zum insgesamt eher funktionalen Charakter der Rute.
Eine kleine Fliegenöse ist ebenfalls vorhanden.
Die Rute ist mit einem Leitring, neun Schlangenringen und einem Spitzenring ausgestattet.
Was beim Aufbau auffällt: Ausrichtungspunkte an den einzelnen Rutenteilen gibt es nicht. Die Rute wird deshalb ganz klassisch über Rollenhalter und Ringe ausgerichtet.

Verarbeitung – ordentlich, aber nicht Premiumklasse
Bei der Verarbeitung muss man fair bleiben.
Die Ringwicklungen sind sauber und funktional, erreichen für mich optisch aber nicht ganz das Niveau, das ich von deutlich teureren Premiumruten wie Scott gewohnt bin. Auch beim Kork sieht man einen Unterschied zu Ruten in der 800-, 1.000-Euro- oder darüberliegenden Klasse.
Das ist für mich allerdings kein Qualitätskriterium für die eigentliche Wurfleistung.
Eine Rute in dieser Preisklasse muss nicht so verarbeitet sein wie eine Premiumrute, die ein Mehrfaches kostet. Entscheidend ist für mich zunächst, was sie beim Werfen macht.
Und genau dort wurde es interessant.

Rolle und Schnur im Test
Montiert hatte ich meine alte Loop G4 Evotec, die mich inzwischen seit rund 16 Jahren begleitet.
Die Rolle saß sauber und sicher im Rollenhalter.
Auf der Rolle befand sich eine Guideline Presentation Evolve WF5 mit:
11 Gramm Kopfgewicht
8,8 Meter Keulenlänge
27,5 Meter Gesamtlänge
Die relativ kurze Keule ist später beim Distanztest noch wichtig.
Ich habe für beide Ruten dieselbe Kombination verwendet, um meine Eindrücke möglichst sauber einordnen zu können.
Die Testfläche – nicht nur geradeaus werfen
Getestet habe ich auf einer großen, freien und gepflasterten Fläche.
Ein Vorteil dieses Platzes waren die vielen Pflasterfugen und Einfassungen. Dadurch hatte ich überall konkrete Punkte, die ich gezielt anwerfen konnte.
Nach dem Test habe ich die Fläche noch vermessen.
Die eigentliche Fishing Range lag für mich bei ungefähr 5 bis 16 Metern. Zusätzlich habe ich gezielte Würfe bis etwa 20 Meter gemacht.
Dabei habe ich nicht einfach nur in eine Richtung immer mehr Schnur ausgegeben.
Ich habe mich Schritt für Schritt vorgearbeitet, die Schnur wieder verkürzt, erneut verlängert und verschiedene Punkte geradeaus, links, rechts und diagonal angeworfen.
Genau das war mir wichtig.
Denn beim Fischen werfe ich schließlich auch nicht zwanzigmal geradeaus auf dieselbe Entfernung.

Schon bei 2 bis 3 Metern – die Rute ist sofort da
Eine der ersten positiven Überraschungen war, wie früh die Primal bereits mit sehr wenig Schnur arbeitet.
Schon bei ungefähr zwei bis drei Metern Schnur spricht die Rute deutlich an. Man muss also nicht erst mehrere Meter Schnur außerhalb der Rutenspitze haben, damit der Blank beginnt zu arbeiten und Rückmeldung gibt.
Ab etwa fünf Metern konnte ich dann auf der gepflasterten Fläche verschiedene Punkte gezielt anwerfen. Bis ungefähr acht Meter ließ sich die Schnur sehr präzise dort platzieren, wo ich sie haben wollte.
Gerade beim realen Fischen halte ich dieses frühe Ansprechen für wesentlich wichtiger als irgendwelche theoretischen Maximalweiten.
Wenn ein Fisch plötzlich sehr nah steht, kann man praktisch sofort arbeiten.
Auch leichter Wind störte die Rute in diesem Bereich kaum.
Wenig Schnur draußen – und die Rute ist sofort da.
10 bis 16 Meter – hier fühlt sie sich richtig wohl und verlangt nach mehr
In meiner normalen Fishing Range zwischen ungefähr 10 und 16 Metern zeigt die REVEL CS sehr deutlich ihren Charakter.
Die Rute ist schnell, aber für mein Empfinden nicht unangenehm steif.
Sie lässt sich ruhig werfen. Gibt man ihr aber mehr Energie, nimmt sie diese sofort an.
Kommt Wind auf, erhöht man etwas den Druck und die Schnur geht sehr direkt nach vorne.
Was mir dabei besonders gefallen hat: Die Rute bleibt trotz ihrer schnellen Aktion gut kontrollierbar und verzeiht auch kleinere Wurffehler. Ein nicht ganz perfekter Wurf bricht nicht sofort zusammen.
Dadurch wirkt sie kraftvoll, aber nicht nervös.
Ich konnte Punkte links, rechts, diagonal und geradeaus sauber anwerfen.
Power und Präzision funktionieren bei dieser Rute erstaunlich gut zusammen.
Bis etwa 20 Meter – immer noch präzise
Auch bei Würfen bis ungefähr 20 Meter ließ sich die Rute noch sehr präzise kontrollieren.
Für mich ist das bereits der obere Bereich dessen, was ich beim normalen Forellenfischen überhaupt sinnvoll benötige.
Natürlich gibt es Situationen, in denen man weiter werfen muss. Aber machen wir uns nichts vor: Die meisten Fische fangen wir nicht auf dreißig Metern.
Deshalb war für mich viel wichtiger zu sehen, wie die Rute zwischen wenigen Metern und ungefähr zwanzig Metern arbeitet.
Und dort hat sie mich überzeugt.
Jenseits der Fishing Range – jetzt geht es nur noch um Reserven
Danach wollte ich einfach wissen, welche Reserven vorhanden sind.
Nicht mehr, weil ich dort normalerweise fischen würde.
Sondern einfach:
Was passiert, wenn ich die Rute richtig fordere?
Mit sauberem Timing und entsprechender Zugunterstützung – also Doppelzug – habe ich die Schnur immer weiter hinausgeschossen.
Und irgendwann war das Backing sichtbar.
Da musste ich tatsächlich kurz grinsen.
Ich habe schon lange keine 5er mehr bewusst bis ins Backing geworfen.
Und besonders interessant war für mich, dass das mit einer Schnur passiert ist, deren Keule gerade einmal 8,8 Meter lang ist.
Das macht natürlich neugierig:
Wie verändert sich die Rute mit einer längeren Keule?
Eine längere Keule würde sich beim Distanzwurf anders verhalten und der Rute wahrscheinlich einen anderen Charakter auf größere Entfernung geben.
Aber für diesen Test reicht mir eine Erkenntnis vollkommen:
Die REVEL CS #5 besitzt wesentlich mehr Reserven, als ich bei einer Rute in dieser Preisklasse erwartet hatte.
Wie ordne ich die Primal REVEL CS #5 ein?
Nach diesem Wurftest würde ich die REVEL CS #5 nicht als klassische, besonders feine 5er einordnen.
Für mich ist sie eine Rute für kräftigere Forellenfischerei.
Ich sehe sie besonders bei:
größeren Fliegen, kräftigeren Forellen, stärkerer Strömung, etwas Wind und Situationen, in denen eine Rute nicht nur präsentieren, sondern auch bewusst Druck aufbauen können soll.
Bei den Vorfachstärken würde ich sie nach diesem ersten Eindruck eher bei 0,14, 0,16, 0,18 oder 0,20 mm sehen als bei extrem feinen Vorfächern.
Natürlich kann man auch feiner fischen.
Aber das wäre für mich nicht der Bereich, für den diese Rute ihren Charakter am deutlichsten zeigt.
Beim Werfen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass hier etwas von der neuseeländischen DNA der Marke durchkommt.
Größere Gewässer, Wind, kräftige Forellen und eine Rute, die eine Fliege präzise dorthin bringen soll, wo sie hinmuss – und danach noch genügend Reserven besitzen soll.
Wichtig ist mir allerdings:
Ich habe die Rute bisher ausschließlich geworfen.
Wie sie sich mit einem kapitalen Fisch an der Schnur verhält und wie sensibel sie unter tatsächlicher Belastung arbeitet, kann und werde ich nach diesem Test nicht behaupten.
Wo merkt man den Preisunterschied?
Mit einem Verkaufspreis von 249,90 € liegt die Primal REVEL CS deutlich unter klassischen Premiumruten.
Genau deshalb muss man bei Kork, Wicklungen und einzelnen Details fair bleiben.
Wenn ich die REVEL CS neben eine deutlich teurere Premiumrute lege, sieht man Unterschiede.
Das darf bei einem erheblichen Preisunterschied auch so sein.
Aber beim Werfen wurde die Sache wesentlich interessanter.
Denn dort fühlt sich der Abstand deutlich kleiner an, als der Preisunterschied vermuten lässt.
Und genau das hat mich an dieser Rute überrascht.
Mein Fazit zur Primal REVEL CS #5
Die Primal REVEL CS #5 in 9 Fuß / 2,74 Meter hat mich beim ersten Wurftest deutlich positiv überrascht.
Sie spricht bereits mit sehr wenig Schnur an, ist auf kurzen Distanzen präzise und fühlt sich in einer realistischen Fishing Range bis ungefähr 16 Meter ausgesprochen wohl.
Auch bis ungefähr 20 Meter bleibt sie sehr kontrollierbar.
Gibt man ihr anschließend mehr Energie, zeigt sie eine völlig andere Seite.
Die Rute hat richtig Power.
Mit sauberem Doppelzug konnte ich die Guideline Presentation Evolve WF5 mit ihrer lediglich 8,8 Meter langen Keule so weit beschleunigen, dass das Backing sichtbar wurde.
Das muss eine 5er für mich beim Fischen nicht können.
Aber es zeigt sehr deutlich, welche Reserven im Blank stecken.
Sie ist für mein Empfinden schnell, ohne unangenehm steif zu sein. Gleichzeitig bleibt sie gut kontrollierbar und verzeiht kleinere Wurffehler, ohne dass der Wurf sofort zusammenbricht.
Gerade das gefällt mir: Die Rute hat viel Kraft, verlangt aber nicht bei jedem Wurf absolute Perfektion. Dadurch bleibt sie trotz ihrer schnellen Aktion angenehm fischbar.
Bei Kork und einigen Details des Finishs sieht man die Preisklasse.
Beim Werfen muss sich diese Rute aber überhaupt nicht verstecken.
Für 249,90 € bietet die REVEL CS nach meinem ersten Wurftest erstaunlich viel Leistung.
Wer eine schnelle, kräftige 5er für Forellen, stärkere Strömung, größere Fliegen und Situationen mit etwas Wind sucht, bekommt hier nach meinem Eindruck sehr viel Rute fürs Geld.
Und jetzt bin ich auf die kleinere Schwester gespannt:
die Primal REVEL CS #4 in 8 Fuß.
Wenn sie den direkten, schnellen Charakter der 5er behält, auf kurze Distanz aber noch feiner und spielerischer wird, könnte sie für kleinere Gewässer besonders interessant sein.
Die 4er werde ich deshalb als Nächstes separat werfen.



