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Scientific Anglers Air Cel Short #5 – über ein Jahr im Dauertest

3. Sept.
7 Min. Lesezeit
Scientific Anglers Air Cel Short Fliegenschnur in Originalverpackung.
Scientific Anglers Air Cel Short – die von uns über mehr als ein Jahr gefischte Fliegenschnur im Praxistest.

Scientific Anglers Air Cel Short

Die Scientific Anglers Air Cel Short #5 haben wir inzwischen über mehr als ein Jahr intensiv gefischt. Im Einsatz ist die Schnur seit Mai 2025 und wurde überwiegend an der Sturba bei Livno in Bosnien und Herzegowina verwendet.

Gefischt wurde sie auf verschiedenen Einhandruten der Klasse #5, überwiegend mit mittelschneller bis schneller Aktion.

Gerade die Sturba eignet sich für einen solchen Test sehr gut. Der kalte Karstfluss ist über weite Strecken relativ gleichmäßig strömend, gleichzeitig gibt es viele Bereiche mit überhängenden Bäumen, Büschen und dicht bewachsenen Ufern. Oft bleibt kaum Platz für einen normalen Rückwurf.

Die meisten Würfe bewegen sich deshalb zwischen etwa 3 und 12 Metern. An einigen breiteren Stellen müssen steigende Fische aber auch auf 15 bis 20 Meter erreicht werden.

Zielfische sind hauptsächlich Äschen und Bachforellen. Gefischt wird mit relativ feinen Vorfächern zwischen etwa 0,12 und 0,16 mm und überwiegend mit Fliegen der Größen #14 bis #18.

Damit musste die Air Cel Short genau das zeigen, was eine Fliegenschnur in der Praxis leisten soll.

Sturba bei Livno in Bosnien und Herzegowina mit dicht bewachsenen Ufern und naturbelassenem Flusslauf.
Die Sturba bei Livno: ein weitgehend naturbelassener Karstfluss mit dichter Ufervegetation. Gerade an vielen Hotspots bleibt nur wenig Platz für einen klassischen Rückwurf.

Parallel zur Air Cel Short lief über denselben Zeitraum auch die deutlich höher positionierte Scientific Anglers Mastery SBT bei uns im Test. Dadurch basiert der Vergleich beider Schnüre nicht auf ein paar Probewürfen, sondern auf mehr als einem Jahr Praxiserfahrung.

Technische Daten der Air Cel Short #5

Bei unserer Schnur handelt es sich um die schwimmende Scientific Anglers Air Cel Short WF-5-F.

Die wichtigsten Daten:

  • Schnurklasse: WF-5-F

  • Sink Rate: Floating

  • 30' Weight: 10,4 g / 160 gr

  • Keulenlänge: 7,4 m / 24,3 ft

  • kurze, kompakte Keule

  • Farbe: Orange

  • Welded Loop an der Spitze

Gerade die kurze Keule ist für mich ein wesentlicher Teil des Charakters dieser Schnur.

Die Rute lädt sich bereits mit relativ wenig Schnur außerhalb der Spitze deutlich auf. Das macht die Air Cel besonders auf kurzen und mittleren Distanzen sehr unkompliziert.

Die orange Farbe hat für mich einen echten Vorteil

Die kräftige orange Farbe ist natürlich Geschmackssache.

Für mich hat sie aber einen ganz praktischen Nutzen.

An der Sturba wird häufig mit der Nymphe ohne zusätzlichen Bissanzeiger gefischt. Dadurch beobachtet man automatisch auch die Schnurspitze sehr genau.

Mit der orangefarbenen Air Cel lässt sich diese gut verfolgen. Kleine Veränderungen oder ein plötzliches Stoppen der Schnur sind deutlich zu erkennen.

Für mich ist die Farbe deshalb nicht nur Optik.

Nymphenfischen und Wasserwürfe

An vielen Stellen der Sturba ist ein normaler Überkopfwurf kaum möglich.

Hinter einem stehen Bäume, Büsche oder hohes Ufergras. Nymphen werden deshalb bei uns praktisch ausschließlich mit Wasserwürfen wie Rollwurf, Switch Cast oder ähnlichen Varianten präsentiert.

Genau hier gefällt mir die Air Cel Short sehr gut.

Durch die kurze Keule lädt sie die verwendeten Ruten schnell auf. Man benötigt keine große Schnurlänge außerhalb der Rutenspitze, um bereits ordentlich Druck aufzubauen.

Rollwürfe und Switch Casts gehen dadurch sehr unkompliziert von der Hand.

Gerade auf fünf, acht oder zwölf Meter lässt sich die Schnurlänge schnell anpassen, wenn ein Fisch plötzlich an einer anderen Stelle steht.

Auch etwas beschwerte Nymphen lassen sich problemlos transportieren.

Für Einsteiger besonders interessant

Gerade für jemanden, der mit dem Fliegenfischen beginnt, sehe ich einen deutlichen Vorteil in dieser Charakteristik.

Eine der ersten Schwierigkeiten beim Werfen ist zu verstehen, wann sich die Rute tatsächlich auflädt.

Bei einer kurzen und etwas kräftigeren Keule ist dieser Moment leichter zu spüren. Man muss nicht erst sehr viel Schnur in der Luft halten, bevor die Rute deutlich arbeitet.

Das macht die Air Cel Short meiner Meinung nach zu einer sehr unkomplizierten Schnur für Einsteiger.

Ich würde sie deshalb aber keineswegs nur als Anfängerschnur sehen.

Auch für erfahrene Fliegenfischer, die überwiegend auf kurzen und mittleren Distanzen fischen, kann diese Abstimmung sehr angenehm sein.

Trockenfliegen lassen sich ausreichend sanft präsentieren

Natürlich haben wir mit der Air Cel nicht nur Nymphen gefischt.

Gerade an der Sturba spielt die Trockenfliege eine große Rolle.

Dabei hat uns interessiert, ob die relativ kompakte Keule beim Ablegen der Fliege möglicherweise zu grob wirkt.

Das war in der Praxis nicht der Fall.

Auch mit feinen Vorfächern und kleineren Trockenfliegen ließ sich die Schnur ausreichend sanft präsentieren.

Ich würde allerdings nicht behaupten, dass sie die feinste Trockenfliegenschnur ist, die man kaufen kann. Es gibt Schnüre, die eine Fliege noch etwas feiner und eleganter ablegen.

Aber während unseres gesamten Tests hatten wir nicht den Eindruck, dass die Air Cel die Fische durch eine ungewöhnlich harte Präsentation verschreckt.

Für das normale Forellen- und Äschenfischen reicht mir ihre Präsentation vollkommen aus.

T&G Fly Fishing Teammitglied mit großer Äsche an der Sturba bei Livno in Bosnien und Herzegowina.
Ein Teammitglied von T&G Fly Fishing mit einer schönen Äsche aus der Sturba – genau unter solchen Bedingungen wurde die Air Cel Short über lange Zeit im Praxiseinsatz gefischt.

Auch 15 bis 20 Meter sind möglich

Normalerweise halte ich nicht besonders viel davon, beim Fliegenfischen ständig über enorme Wurfweiten zu sprechen.

Gerade an vielen Alpenflüssen bringen einem 20 Meter Schnur wenig, wenn mehrere unterschiedliche Strömungen zwischen Fischer und Fliege liegen.

An der Sturba gibt es jedoch einige breitere Bereiche mit relativ gleichmäßiger Strömung.

Dort kann es durchaus vorkommen, dass ein steigender Fisch 15 oder auch einmal 20 Meter entfernt steht und sich eine Trockenfliege trotzdem noch kontrolliert präsentieren lässt.

Auch solche Distanzen haben wir mit der Air Cel Short gefischt.

Das funktioniert.

Man muss dabei aber berücksichtigen, wofür diese Schnur konstruiert wurde.

Wo die kurze Keule ihre Grenze hat

Die Air Cel Short besitzt bewusst eine kurze Keule.

Das bringt auf kurzen und mittleren Distanzen viele Vorteile.

Wer allerdings über viele Leerwürfe sehr große Schnurlängen stabil in der Luft halten und bei jedem Rück- und Vorschwung noch einmal zwei oder drei Meter zusätzlich verlängern möchte, stößt mit dieser Konstruktion irgendwann an ihre Grenze.

Das bedeutet nicht, dass mit der Air Cel keine weiteren Würfe möglich wären.

Es geht ausdrücklich nicht um das Schießenlassen der Schnur, sondern darum, wie viel Schnur sich über mehrere Leerwürfe komfortabel in der Luft kontrollieren lässt.

Wer genau diese Art des Werfens bevorzugt, ist mit einer länger ausgelegten Keule wahrscheinlich besser bedient.

Für unseren normalen Einsatzbereich war das jedoch kaum relevant.

Verhalten bei Kälte und nach dem Winter

Die Sturba ist ein kalter Quellfluss und die Saison beginnt bereits am 1. März.

Damit wird eine Schnur dort nicht nur bei angenehmen Sommertemperaturen gefischt.

Auch bei niedrigen Temperaturen hat uns die Air Cel keine Probleme gemacht.

Nach der Winterpause war ich außerdem gespannt, wie stark sich die Schnur nach längerer Lagerung kringeln würde.

Natürlich liegt sie nicht vollkommen schnurgerade auf dem Wasser. Störende Kringel oder einen Memory-Effekt, der das Fischen beeinträchtigt hätte, konnten wir aber nicht feststellen.

Nach kurzer Zeit ließ sie sich wieder ganz normal fischen.

Haltbarkeit nach mehr als einem Jahr

Ein wichtiger Punkt bei einer vergleichsweise günstigen Fliegenschnur ist für mich die Haltbarkeit.

Nach mehr als einem Jahr intensiver Nutzung zeigt unsere Air Cel Short bislang keine auffälligen Schäden.

Wir sehen keine störenden quer verlaufenden Risse in der Beschichtung.

Auch der verschweißte Loop an der Spitze ist weiterhin in Ordnung.

Die Schnur gleitet nach wie vor vernünftig durch die Ringe und hat uns bisher keinen Grund gegeben, sie auszutauschen.

Gerade bei einer Schnur in dieser Preisklasse finde ich das bemerkenswert.

Warum wir überhaupt eine Schnur dieser Preisklasse getestet haben

Mich interessieren nicht nur Fliegenschnüre für 100 Euro oder mehr.

Eine Schnur muss für mich am Wasser etwas leisten.

Deshalb wollte ich wissen, was eine Air Cel Short für ungefähr 50 Euro unter echten Bedingungen tatsächlich kann.

Nach mehr als einem Jahr ist die Antwort ziemlich eindeutig:

Sehr viel.

Sie ist vielleicht nicht die eleganteste, schnellste oder technisch aufwendigste Fliegenschnur.

Aber sie macht im normalen Fischereialltag genau das, was sie machen soll.

Und genau deshalb ist sie für mich interessant.

Für wen würde ich die Air Cel Short empfehlen?

Für mich passt sie besonders gut zu:

  • Einsteigern, die die Aufladung ihrer Rute deutlich spüren möchten

  • Fliegenfischern, die überwiegend auf kurzen und mittleren Distanzen fischen

  • allen, die häufig Rollwürfe, Switch Casts oder andere Wasserwürfe nutzen

  • klassischem Nymphenfischen

  • dem gelegentlichen Einsatz kleiner Streamer oder etwas schwererer Fliegen

  • preisbewussten Vollblutfischern, die nicht jedem neuen Schnur-Hype hinterherlaufen

  • dem Fischen zwischen Büschen, Ästen und dichtem Uferbewuchs

Gerade beim letzten Punkt spielt für mich auch der Preis eine Rolle.

Wenn ich in einem stark bewachsenen Gewässer fische, kann eine Beschichtung irgendwann an einem Ast, Stein oder anderen Hindernis beschädigt werden.

Bei einer guten Schnur um etwa 50 Euro schmerzt das deutlich weniger als bei einer Schnur, die das Doppelte kostet.

Mein Fazit nach mehr als einem Jahr

Nach mehr als einem Jahr intensiver Nutzung hat uns die Scientific Anglers Air Cel Short positiv überrascht.

Sie lädt die Rute schnell auf, lässt sich unkompliziert werfen, eignet sich sehr gut für Wasserwürfe und transportiert Nymphen ebenso zuverlässig wie Trockenfliegen.

Ihre Präsentation ist ausreichend fein, die Schwimmeigenschaften waren während unseres Tests gut und auch bei niedrigen Temperaturen hatten wir keine nennenswerten Probleme.

Dazu kommt eine Haltbarkeit, an der wir nach mehr als einem Jahr bislang nichts auszusetzen haben.

Natürlich gibt es hochwertigere Schnüre.

Eine Scientific Anglers Mastery SBT gleitet beispielsweise leichter durch die Ringe, schießt besser und wirkt insgesamt feiner abgestimmt.

Aber genau das macht die Air Cel für mich nicht schlechter.

Ein Freund von mir fischt die Air Cel Short #5 auch an der Alz und kommt unabhängig von unserem Test zu einem ähnlichen Ergebnis: Gerade beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist die Schnur schwer zu kritisieren.

Wenn ich beide Schnüre mit Autoreifen vergleichen müsste, wäre die Air Cel ein guter Alltagsreifen.

Sie bringt mich zuverlässig ans Ziel und macht das, was ich von ihr erwarte.

Die Mastery SBT wäre für mich eher der Michelin.

Nicht weil ich mit der Air Cel bestimmte Dinge grundsätzlich nicht machen könnte, sondern weil die SBT beim Gleiten, Schießen, Handling und in der gesamten Abstimmung noch einmal eine Stufe darüber liegt.

Wer aber eine ehrliche, unkomplizierte und bezahlbare Fliegenschnur für die normale Forellen- und Äschenfischerei sucht, bekommt mit der Air Cel Short meiner Meinung nach sehr viel Schnur fürs Geld.

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