Scientific Anglers Mastery SBT #4 – über ein Jahr im Praxistest

Die Scientific Anglers Mastery SBT #4 fische ich inzwischen seit über einem Jahr praktisch durchgehend. Parallel dazu lief der Langzeittest der Air Cel Short durch ein Teammitglied von T&G Fly Fishing an der Sturba.
Wichtig ist mir dabei: Ich kenne beide Schnüre auch aus eigener Hand. Die SBT habe ich über diesen Zeitraum sehr intensiv gefischt, die Air Cel Short selbst zusammengerechnet ungefähr 14 Tage auf verschiedenen Ruten. Den Unterschied zwischen beiden beurteile ich deshalb nicht nur anhand der Rückmeldungen meines Teammitglieds, sondern weil ich beide Schnüre selbst geworfen und gefischt habe.
Die SBT kam bei mir hauptsächlich an der Deutschen Traun und an der Alz zum Einsatz. Gefischt habe ich sie vor allem auf meiner Scott GT #4 in 8'10" und der
Scott Centric #4 in 9 ft.
Zusätzlich habe ich sie auf einer Orvis Superfine Glass #4 ausprobiert.
Gerade bei der Glasrute war ich zunächst skeptisch. Durch die kurze und relativ schwere Keule hatte ich erwartet, dass die SBT für die weichere Glasrute vielleicht zu viel sein könnte.
Ich habe mich getäuscht.
Bei meinen Würfen auf der Wiese lud sich die Superfine Glass deutlich, blieb aber kontrollierbar und fühlte sich für mich keineswegs überladen an.
Mehr möchte ich daraus bewusst nicht machen: Mit dieser Kombination habe ich nur auf der Wiese geworfen und nicht am Wasser gefischt. Es bleibt also ein positiver erster Eindruck und kein vollständiger Praxistest auf dieser Rute.
Die technischen Daten meiner Mastery SBT #4
Getestet habe ich die schwimmende Scientific Anglers Mastery SBT WF-4-F.
Die Angaben auf meiner Verpackung:
Schnurklasse: WF-4-F
Gewicht der ersten 30 ft / 9,14 m: 9,1 g / 140 gr
Keulenlänge: 7,1 m / 23,3 ft
Floating
Farbe: Dark Willow / Orange / Dark Willow
One Size Heavy
AST – Advanced Shooting Technology
Welded Loops
SA Line ID
Die Bezeichnung One Size Heavy sagt bereits einiges über den Charakter der Schnur aus. Die kurze und etwas schwerere Keule sorgt dafür, dass die Rute schon mit relativ wenig Schnur außerhalb der Rutenspitze gut geladen wird.
Und genau das merkt man beim Fischen.
Optisch wirkt die SBT auf mich gegenüber der Air Cel Short außerdem etwas schlanker im Durchmesser. Gemessen habe ich das allerdings nicht. Das ist deshalb ausdrücklich mein persönlicher Eindruck und keine technische Messung.
Interessant ist dabei auch der direkte Vergleich der #4-Versionen: Sowohl die Air Cel Short #4 als auch die Mastery SBT #4 sind laut Verpackung mit 9,1 g / 140 gr auf den ersten 30 ft angegeben.
Dass sich die SBT für mich trotzdem deutlich schneller anfühlt, liegt deshalb nicht einfach an einem höheren Gewicht.
Was mir gegenüber der Air Cel sofort auffällt
Der deutlichste Unterschied liegt für mich zunächst beim Gleiten durch die Ringe.
Die SBT läuft spürbar leichter und schneller.
Gerade wenn ich nach dem letzten Vorschwung die Schnur freigebe, wird der Unterschied zur Air Cel deutlich. Die SBT gleitet sehr frei durch die Ringe und nimmt beim Schießenlassen spürbar mehr Geschwindigkeit auf.
Die Air Cel schießt ebenfalls gut.
Die SBT ist für mich aber eindeutig die schnellere Schnur.
Damit meine ich nicht, dass sie plötzlich weniger Leerwürfe benötigt. Der Ablauf kann derselbe sein. Der Unterschied liegt für mich in der Geschwindigkeit, mit der die Schnur beschleunigt und sich auf die gewünschte Distanz bringen lässt.
Hervorragende Schwimmeigenschaften
Einen Punkt möchte ich bei der Mastery SBT besonders hervorheben:
Ihre Schwimmeigenschaften sind aus meiner Erfahrung hervorragend.
Die Schnur liegt sehr zuverlässig hoch auf dem Wasser.
Das gefällt mir sowohl beim Nymphen- als auch beim Trockenfliegenfischen. Gerade wenn ich ohne Bissanzeiger fische und die Schnur selbst beobachte, ist eine gut sichtbare und hoch schwimmende Schnur ein klarer Vorteil.
Auch beim Menden, Abheben und Einleiten eines neuen Roll- oder Switchwurfs macht sich das bemerkbar. Die Schnur lässt sich sehr angenehm von der Wasseroberfläche aufnehmen und wieder neu kontrollieren.
Wenn ich den Unterschied zur Air Cel ganz einfach ausdrücken müsste:
Die Air Cel schwimmt gut. Die SBT schwimmt für mich hervorragend.
Das klingt zunächst vielleicht nach einem kleinen Unterschied. Wenn man aber mehrere Stunden am Wasser steht, lernt man genau solche Eigenschaften sehr zu schätzen.
Auf der Scott GT #4 passt die SBT für meine Art zu fischen ausgesprochen gut.
Die Rute lädt sich bereits auf kurzer Distanz gut auf, und trotzdem kann ich die Kombination in einem angenehm entspannten Wurfrhythmus fischen.
Von vielleicht fünf Metern auf 15 Meter zu kommen, geht sehr schnell und mühelos.
Auf der Scott Centric #4 funktioniert das ebenfalls in einem entspannten Rhythmus – nur wird das Ganze noch einmal deutlich schneller.
Die Centric erzeugt mehr Schnurgeschwindigkeit, und zusammen mit der sehr gut gleitenden SBT musste ich gelegentlich sogar aufpassen, nicht über mein eigentliches Ziel hinauszuschießen.
Das beschreibt für mich den Unterschied zwischen beiden Kombinationen ziemlich gut:
Mit beiden Ruten lässt sich die SBT entspannt fischen. Auf der Centric bekommt die Kombination aber noch einmal deutlich mehr Tempo.
Nymphenfischen mit der Mastery SBT
Beim klassischen Nymphenfischen gefällt mir besonders, wie unkompliziert sich die SBT kontrollieren lässt.
Rollwürfe, Switch Casts und andere Wasserwürfe gehen mühelos von der Hand.
Die kurze Keule lädt die Rute schnell auf, und gerade auf kurzen bis mittleren Distanzen entsteht für mich ein sehr angenehmes Gefühl zwischen Schnur und Rute.
Das ist besonders dann interessant, wenn durch Bewuchs oder die jeweilige Situation kaum Platz für normale Rückwürfe vorhanden ist.
Die Air Cel beherrscht solche Würfe ebenfalls gut.
Die Mastery SBT macht diese Dinge für mich nicht grundsätzlich anders – aber sie gehen leichter von der Hand, wirken flüssiger und insgesamt etwas eleganter.
Trockenfliegenfischen – hier zeigt die SBT ihre feine Seite
Beim Trockenfliegenfischen hat mich die SBT besonders überzeugt.
Selbst sehr feine CDC-Trockenfliegen bis Größe #22 ließen sich damit sauber und ausgesprochen sanft präsentieren.
Gerade bei solchen kleinen Mustern merkt man, dass die Schnur trotz ihrer kurzen, kräftigen Keule keineswegs grob wirkt.
Mit sauberem Timing lässt sich die Energie kontrolliert abbauen und die Fliege entsprechend fein ablegen.
Das ist für mich ein wichtiger Punkt.
Eine kurze und etwas schwerere Keule könnte zunächst vermuten lassen, dass die SBT vor allem für Wasserwürfe, Nymphen oder etwas schwerere Fliegen interessant ist.
Meine Erfahrung ist eine andere.
Auch bei sehr feiner Trockenfliegenfischerei macht die SBT eine richtig gute Figur.
Sie lässt sich sauber in engen Loops führen und gibt mir genügend Kontrolle, um auch kleine Trockenfliegen präzise dort abzulegen, wo ich sie haben möchte.

Die Farben sind mehr als nur Optik
Die Kombination Dark Willow / Orange / Dark Willow gefällt mir nicht nur optisch.
Für mich hat die Mehrfarbigkeit auch einen praktischen Nutzen.
Mit der Zeit bekommt man anhand der Farbwechsel sehr schnell ein Gefühl dafür, wo man sich innerhalb der Keule befindet.
Natürlich ersetzt das kein Gefühl in der Hand. Es ist aber eine zusätzliche visuelle Orientierung, die mir beim Fischen gefällt.
Und genau das beschreibt für mich die SBT ziemlich gut:
Sie macht nicht plötzlich etwas völlig Neues. Aber beim Gleiten, Schießen und im gesamten Handling merkt man, dass die Abstimmung insgesamt eine Stufe feiner ist.
Auch bei der SBT gibt es eine klare Grenze
Bei allem Lob hat auch diese Schnur ihre Grenze.
Wer über viele Leerwürfe sehr große Schnurlängen stabil in der Luft halten möchte, stößt mit der kurzen Keule der SBT irgendwann an ihre Grenze.
Ich meine damit ausdrücklich nicht das Schießenlassen der Schnur.
Wer den Wurf über mehrere Rück- und Vorschwünge immer weiter verlängern und dabei große Schnurlängen dauerhaft stabil in der Luft halten möchte, ist aus meiner Sicht mit einer länger aufgebauten Keule besser bedient.
Das ist keine Schwäche der SBT.
Es ist schlicht nicht das, wofür sie gebaut wurde.
Beim Schießenlassen sieht die Sache dagegen ganz anders aus.
Hat die Schnur ihre Geschwindigkeit aufgebaut und wird nach dem letzten Vorschwung freigegeben, spielt die SBT für mich eine ihrer größten Stärken aus.
Sie läuft sehr leicht und schnell durch die Ringe.
Genau hier habe ich den Unterschied zur Air Cel besonders deutlich gespürt.
Und was sagt mein Teammitglied dazu?
Nachdem ein Teammitglied von T&G Fly Fishing die Air Cel Short über lange Zeit an der Sturba getestet hatte, wollte ich natürlich auch wissen, wie er die SBT beurteilt.
Also bekam er die Mastery SBT auf der Scott GT #4.
Seine Reaktion war ziemlich eindeutig:
Dauergrinsen.
Auch bei der Schnur bestätigte er im Wesentlichen meine eigenen Eindrücke. Die SBT harmoniert sehr gut mit der GT, lädt die Rute angenehm auf, gleitet leicht durch die Ringe und lässt sich in einem entspannten Rhythmus fischen.
Für mich ist das deshalb interessant, weil damit ein zweiter Fischer unabhängig zu einem sehr ähnlichen Urteil gekommen ist.
Wo liegt der Unterschied zur Air Cel Short?
Die Air Cel Short habe ich in meinem anderen Erfahrungsbericht bewusst nicht schlechtgeredet.
Warum auch?
Sie ist eine gute Fliegenschnur, mit der sich in einer normalen Fishing Range praktisch alles machen lässt, was wir beim klassischen Forellen- und Äschenfischen brauchen.
Und ich kann das auch aus eigener Erfahrung sagen. Neben dem Langzeittest meines Teammitglieds habe ich die Air Cel selbst zusammengerechnet ungefähr 14 Tage gefischt und geworfen.
Die Mastery SBT macht die grundlegenden Dinge nicht plötzlich anders.
Aber sie gehen leichter von der Hand, wirken flüssiger und insgesamt etwas eleganter.
Sie gleitet leichter durch die Ringe.
Sie nimmt beim Schießenlassen mehr Geschwindigkeit auf.
Ihre Schwimmeigenschaften sind hervorragend.
Sehr feine Trockenfliegen lassen sich ausgesprochen sanft präsentieren.
Und insgesamt wirkt die gesamte Abstimmung für mich einfach eine Stufe hochwertiger.
Die Air Cel wird dadurch nicht plötzlich zu einer schlechten Schnur.
Ganz im Gegenteil.
Mein Vergleich mit einem Autoreifen
Wenn ich es mit Autoreifen vergleichen müsste, wäre die Air Cel für mich ein guter Alltagsreifen:
zuverlässig, unkompliziert und für fast alle normalen Situationen vollkommen ausreichend.
Die Mastery SBT ist für mich eher der Michelin.
Nicht weil man mit der Air Cel etwas grundsätzlich nicht könnte.
Sondern weil die SBT beim Schießen der Schnur, bei der Oberflächengüte, bei den Schwimmeigenschaften, beim Handling und in der gesamten Abstimmung einfach noch eine Stufe darüber liegt.
Genau diesen Unterschied merke ich am Wasser.
Mein Fazit nach mehr als einem Jahr
Nach mehr als einem Jahr fällt mein persönliches Urteil ziemlich eindeutig aus:
Die Mastery SBT ist für mich in praktisch allen relevanten Bereichen die hochwertigere Schnur gegenüber der Air Cel Short.
Der einzige Punkt, an dem die Air Cel eindeutig gewinnt, ist der Preis.
Und genau deshalb haben für mich beide Schnüre ihre Berechtigung.
Wer eine gute, unkomplizierte Schnur sucht, die innerhalb einer normalen Fishing Range zuverlässig arbeitet und nicht unnötig viel Geld ausgeben möchte, bekommt mit der Air Cel Short sehr viel Schnur fürs Geld.
Wer dagegen bereit ist, mehr auszugeben und Wert auf leichteres Gleiten durch die Ringe, höhere Schnurgeschwindigkeit, hervorragende Schwimmeigenschaften, bessere Schusseigenschaften, eine feinere Präsentation und ein insgesamt sehr angenehmes Handling legt, bekommt mit der Mastery SBT einen tatsächlich spürbaren Mehrwert.
Besonders gefällt mir, wie selbstverständlich sich die SBT im praktischen Fischen handhaben lässt. Die Schnur lässt sich schnell verlängern oder verkürzen, gleitet leicht durch die Ringe und reagiert sehr direkt auf Veränderungen der Distanz.
Dass mein Teammitglied nach seinem eigenen Test auf der GT praktisch zu demselben Urteil kam, bestätigt meinen Eindruck zusätzlich.
Für mich ist die Mastery SBT deshalb nicht einfach nur eine teurere Air Cel.
Sie ist die hochwertigere Schnur – und ich merke den Unterschied beim Fischen.



