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Scott Centric – meine Erfahrungen mit einer schnellen Fliegenrute

26. Aug.
8 Min. Lesezeit
Scott Centric Fliegenrute im Drill an einem klaren Fluss, deutlich gebogene Rutenspitze unter Last.
Die Scott Centric #4 im Drill – schnell, präzise und mit überraschend gefühlvoller Spitze.

Wie ich überhaupt bei Scott gelandet bin

Ich habe über viele Jahre fast ausschließlich mittelschnelle Fliegenruten gefischt.

Eine Ausnahme gab es relativ früh: eine Orvis TLS Power Matrix Tip Flex, die ich ungefähr um 2008 herum gefischt habe.

Für damalige Verhältnisse war das eine schnelle und für mein Empfinden auch recht steife Rute.

Beim Streamerfischen fand ich sie richtig gut. Wenn mehr Druck gefragt war und größere Fliegen geworfen wurden, passte dieser Charakter sehr gut.

Bei meiner klassischen Fischerei auf Forelle und Äsche, mit Trockenfliege und feinen Nymphen, konnte ich mich damit aber nie wirklich anfreunden.

Später habe ich mittelschnelle Ruten immer mehr schätzen gelernt.

Bei uns würde man einfach sagen:

Sie fühlten sich fischiger an.

Sie arbeiteten harmonischer und passten für mich besser zu der Art, wie ich fischen wollte.

Fast alle meine Freunde fischten damals Sage-Ruten.

Wenn wir gemeinsam unterwegs waren, haben wir die Ruten auch einmal für einen ganzen Tag getauscht. So konnte ich viele gängige Sage-Modelle nicht nur kurz werfen, sondern tatsächlich beim Fischen kennenlernen.

Scott war für mich zu dieser Zeit deutlich weniger präsent.

Irgendwann, ich meine es war ungefähr 2021, sah ich dann ein Video, in dem die Scott Centric mit anderen schnellen Ruten verglichen wurde.

Was mir davon hängen blieb, war vor allem ein Gedanke:

Die Centric sollte schnell sein, Druck machen und trotzdem Gefühl haben.

Also nicht einfach nur eine Rute zum Weitwerfen, sondern eine schnelle Rute, die sich trotzdem noch wie eine richtige Rute zum Fischen anfühlt.

Das machte mich neugierig.

Nach ungefähr zehn Jahren war eine neue Rute fällig

Zu dieser Zeit hatte ich drei Rutenmodelle, mit denen ich mehr als zufrieden war und die meine Fischerei auf Forelle und Äsche eigentlich komplett abdeckten.

Es gab also keinen wirklichen Grund für einen Wechsel.

Aber irgendwann dachte ich mir:

Nach ungefähr zehn Jahren ist es einmal Zeit für eine neue Rute.

Also ging ich zu dem Shop meines Vertrauens.

Der Laden lag nicht weit von mir entfernt, und der Besitzer hatte selbst viel Erfahrung mit der Fischerei auf Forelle und Äsche.

Es war ein kleiner Fachhändler. Gerade bei hochpreisigen Ruten stand natürlich nicht jedes Modell in jeder Klasse im Regal.

Aber genau das störte mich nicht.

Ich hatte dort einen Ansprechpartner, konnte fragen, fachsimpeln und Erfahrungen austauschen. Wenn etwas nicht auf Lager war, konnte er es besorgen.

Genau das schätze ich bis heute an einem guten Fachhändler:

Man kann ihn ansprechen, anschreiben und bekommt keine anonyme Standardantwort.

Die Centric hatte er in meiner gewünschten Ausführung nicht da.

Also bestellte ich sie als #4 in 9 Fuß.

Und das eigentlich ziemlich blind.

Ich hatte die Rute vorher weder in der Hand gehabt noch geworfen.

Der Half-Wells-Griff

Zu dieser Zeit verschwanden bei vielen Ruten aus unserer europäischen Sicht langsam die schönen klassischen Zigarrengriffe, und Half-Wells-Griffe wurden immer häufiger.

Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt:

Was soll das jetzt?

Optisch war das für mich gewöhnungsbedürftig. Ich mochte die schlankeren klassischen Griffe einfach lieber.

Aber irgendwann dachte ich mir:

Was soll's. Ich probiere es aus.

Da ich die Rute überwiegend mit dem Daumen auf dem Griff fische, störte mich der Half-Wells-Griff beim Werfen überhaupt nicht.

Für mich war das zunächst eher eine Frage der Optik als der Handhabung.

Die Scott-Videos steigerten die Vorfreude

Erst nach der Bestellung habe ich mir einige Videos von Scott angesehen, in denen die Werkstatt und die Fertigung der Ruten gezeigt wurden.

Für jemanden wie mich, der selbst aus einer Manufaktur kommt, war ziemlich schnell klar:

Das ist Handwerk auf sehr hohem Niveau.

Manches sieht auf den ersten Blick einfach aus. Aber wer selbst einmal in einer Manufaktur gearbeitet hat, weiß, wie viel Erfahrung und saubere Abläufe hinter solchen Arbeitsschritten stecken.

Auch die handschriftliche Beschriftung und die einzelnen Details gefielen mir sehr.

Dabei wurde mir erst richtig bewusst, wie viel Entwicklungsarbeit Scott über viele Jahre bei Carbonruten und im Blankbau geleistet hatte.

Meine Vorfreude wurde dadurch jedenfalls nicht kleiner.

Mitte 2022 – „Deine Rute ist da“

Irgendwann Mitte 2022 kam der Anruf:

„Deine Rute ist da.“

Ich glaube, ich habe wirklich alles liegen und stehen gelassen und bin direkt zu meinem Händler gefahren.

Ausgepackt, zusammengesteckt und erst einmal angeschaut.

Und ja:

Die Rute war top verarbeitet.

Vieles von dem, was ich vorher in den Scott-Videos gesehen hatte, konnte ich jetzt mit der Rute in der Hand nachvollziehen.

Am selben Abend ging es natürlich noch ans Wasser.

Ich habe mich dort nicht erst lange hingestellt und Probwürfe gemacht.

Ich bin ins Wasser und habe angefangen zu fischen.

Wie gewohnt mit einem 0,12er Vorfach und einer kleinen Trockenfliege.

Die ersten Würfe

Schon nach den ersten Würfen war der Rhythmus da.

Die Centric war deutlich schneller als die Ruten, die ich in den Jahren davor hauptsächlich gefischt hatte.

Die Schlaufen waren enger und die Rute baute deutlich mehr Schnurgeschwindigkeit auf.

Eigentlich hatte ich fast das Gefühl:

Die Schnur wollte einfach nur fliegen.

Man musste das Ganze nur sauber steuern.

Gab man der Centric zu viel Gas, schoss die Schnur schnell einmal über das Ziel hinaus.

Das Spannende war aber:

Die Schnurgeschwindigkeit ließ sich sehr gut dosieren.

Man konnte die Rute ruhig werfen, und wenn mehr Geschwindigkeit oder Distanz gefragt war, war sofort Reserve da.

Trotzdem fühlte sie sich für mich nicht steif an.

Nach ein paar Würfen sah ich den ersten Fisch ungefähr 15 Meter von mir entfernt steigen.

Ein, zwei Leerwürfe, damit die Fliege wieder trocken war.

Dann die Präsentation.

Ich legte die Fliege direkt am Anfang meiner Hot Zone perfekt ab.

Der Fisch stieg.

Er nahm die Fliege.

Anschlag.

Und dann kam für mich der wichtigste Moment:

Kein steifer Prügel.

Ganz anders als bei meiner alten Orvis Power Matrix.

Die Spitze war für eine schnelle Rute überraschend gefühlvoll und nachgiebig.

Sie federte die Fluchten sauber ab, ohne dass die Centric ihren schnellen Charakter verlor.

Natürlich bog sie sich nicht wie eine Glasfaserrute bis ins Handteil.

Aber alles fühlte sich sehr stimmig an.

Schnell im Wurf, präzise bei der Präsentation und im Drill trotzdem genügend Gefühl.

Der Fisch war schnell ausgedrillt.

Am Ende lag eine schöne Regenbogenforelle von ungefähr 45 Zentimetern vor mir.

Und genau da kam zuerst einmal echte Erleichterung.

Ich hatte die Rute schließlich gekauft, ohne sie vorher jemals geworfen zu haben.

Nach diesem ersten Fisch kam dann aber noch etwas dazu:

diese endgültige innere Zufriedenheit.

Für mich war nach diesem ersten Abend klar:

Die Entscheidung war richtig.

Seitdem praktisch nur noch Centric

Seit ich die Centric habe, habe ich sie praktisch durchgehend als meine Hauptrute gefischt – bis zum Saisonstart 2026, als die GT dazukam.

Und seitdem habe ich ehrlich gesagt eher die Qual der Wahl.

Meine alten Ruten habe ich mit der Zeit verkauft.

Mit der Centric habe ich über die Jahre Fische in allen möglichen Größen gefangen und war immer wieder überrascht, wie vorfachschonend sie trotz ihrer schnellen Aktion arbeitet.

Vorfachbrüche hatte ich so gut wie keine.

Besonders bei leichtem Wind kam ihre Geschwindigkeit richtig zur Geltung.

Die Schnur lief schnell und sauber und lag dabei extrem stabil in der Luft.

Trotzdem konnte ich sie sehr gut kontrollieren und die Fliege genau dort ablegen, wo ich sie haben wollte.

Auch Würfe über 20 Meter gingen deutlich einfacher als mit vielen meiner mittelschnellen Ruten.

Wobei die maximale Wurfweite für mich nie der entscheidende Punkt war.

Mir war immer wichtiger, dass die Fliege dort landet, wo sie hin soll.

Auch Rollwürfe und Switch Casts liefen sehr sauber und kontrolliert.

Für mich hatte Scott hier etwas geschafft, das ich bei schnellen Ruten lange vermisst hatte:

eine wirklich schnelle Rute, die sich trotzdem fischig anfühlt.

Wie die schnellen Scott-Modelle davor waren, kann ich nicht beurteilen.

Ich hatte sie vorher nie gefischt.

Bei der Centric kann ich aber ganz klar sagen:

Dieses Modell ist gelungen.

Wo die Schnelligkeit für mich auch Nachteile hatte

So begeistert ich von der Centric war, irgendwann zeigte sich für mich auch, dass Geschwindigkeit nicht nur Vorteile hat.

Am Anfang der Saison und über weite Teile des Jahres war eigentlich alles nahezu perfekt.

Äschen, Forellen, Barben, Döbel – alles war dabei.

Später kam aber die Zeit, in der die Fische selektiver wurden und die Muster immer kleiner werden mussten.

Mit Fliegen in Größe 18 funktionierte für mich noch vieles sehr gut.

Je kleiner die Muster wurden, desto häufiger fiel mir beim Trockenfliegenfischen etwas auf:

Ich verlor mehr Fische als früher.

Ich kann und will das nicht in Prozent ausdrücken.

Aber man merkt es.

Man hakt eine kapitale Äsche oder eine große Forelle auf einer kleinen 20er Trockenfliege, drillt den Fisch sauber aus und hat ihn fast am Kescher.

Dann kommt noch ein kurzer Kopfstoß oder eine letzte Bewegung.

Der Fisch ist weg.

Ausgeschlitzt.

Und genau das ist bei solchen Fischen besonders ärgerlich, weil sie zu bestimmten Zeiten tatsächlich nur diese winzigen Mücken nehmen.

Interessant war dabei:

Das Vorfach blieb erstaunlich oft ganz.

Meine Vermutung ist deshalb, dass hier weniger das Tippet das Problem war, sondern die Kombination aus sehr kleinem Haken und schneller Rute.

Ein kleiner Haken greift nun einmal nur in wenig Gewebe.

Eine weichere, tiefer arbeitende Rute kann kurze Belastungsspitzen etwas länger abfedern.

Bei einer schnellen Rute kommt der Druck direkter auf den Haken zurück.

Gerade bei kurzen Fluchten oder Kopfstößen kurz vor dem Kescher kann das aus meiner Sicht den Unterschied machen.

Der Haken bricht nicht.

Das Vorfach bricht nicht.

Er arbeitet sich einfach aus dem Maul heraus.

Dabei möchte ich aber etwas klar einordnen:

Die meisten Fliegenfischer, die ich am Wasser treffe, fischen nicht regelmäßig so fein.

Viele sind nicht ständig mit Trockenfliegen in Größe 20 oder kleiner und entsprechend feinen Vorfächern unterwegs.

Für viele Fischer wird dieser Punkt deshalb vermutlich überhaupt kein Nachteil sein.

Für mich ist es eine sehr spezielle Beobachtung aus einem kleinen Bereich meiner Fischerei.

Mein Fazit zur Scott Centric

Äsche im Kescher mit Scott Centric Fliegenrute am klaren Bach, Fangfoto einer gegriffenen Fliegenruten-Kombination.
Mit der Scott Centric gefangene Äsche – genau für solche Einsätze habe ich die Rute über Jahre besonders gern gefischt.

Mit der Scott Centric hat Scott für mich eine hervorragende Rute entwickelt.

Besonders gefällt mir die Kombination aus schneller Aktion, hoher Präzision und einer überraschend gefühlvollen Spitze.

Scott beschreibt diese Philosophie selbst sehr passend mit:

„Fast with Feel.“

Und genau so empfinde ich die Centric auch.

Sie baut schnell Schnurgeschwindigkeit auf, formt enge Schlaufen und arbeitet gerade bei etwas Wind sehr sauber.

Gleichzeitig fühlt sie sich beim Fischen nicht steif an.

Ein kleines Detail, das mir ebenfalls gefällt, ist der Rollenhalter.

Die Mutter lässt sich extrem leicht bedienen.

Wenn man sie einmal kurz mit dem Finger antippt, läuft sie praktisch direkt bis an die Rolle heran.

Nur eine Kleinigkeit.

Aber genau solche Details mag ich.

Natürlich hat die schnelle Aktion auch ihre Grenzen.

Gerade bei meiner sehr feinen Fischerei mit winzigen Trockenfliegen habe ich gemerkt, dass mir eine weichere, tiefer arbeitende Rute in bestimmten Situationen etwas mehr Sicherheit im Drill geben kann.

Das ändert aber nichts an meinem Gesamturteil:

Die Scott Centric ist für mich eine schnelle, präzise und trotzdem fischige Rute.

Sie macht Druck, kann weit werfen, arbeitet bei Wind sehr sauber und gibt trotzdem genügend Gefühl zurück.

Und genau diese Mischung hat mich über Jahre überzeugt.

So sehr sogar, dass die Centric am Ende auch einer der Gründe war, warum ich Scott später in mein Sortiment aufgenommen habe.

Denn ich wollte keine Marke nur deshalb führen, weil sie bekannt ist oder gut aussieht.

Ich wollte vorher selbst wissen, wie sich diese Ruten am Wasser schlagen.

Bei der Centric hatte ich darauf nach mehreren Jahren eine ziemlich klare Antwort:

Für mich hat Scott mit dieser Rute gezeigt, dass eine schnelle Fliegenrute nicht automatisch steif und gefühllos sein muss.

Wer es innerhalb der Scott-Ruten etwas allroundiger und weniger kompromisslos schnell möchte, kann sich auch die Scott Session ansehen.

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