Scott G lebt in der GT weiter – meine Erfahrungen mit der neuen Generation

Eigentlich wollte ich die Scott G-Serie in meinen Shop holen.
Für mich war und ist sie eine der legendären Rutenserien überhaupt. Gerade bei vielen Fischern, die schon lange dabei sind, genießt die G-Serie bis heute einen sehr guten Ruf.
Ich durfte sie selbst fischen und konnte gut verstehen, warum diese Ruten bei so vielen Kennern immer noch hoch im Kurs stehen.
Als ich dann gesehen habe, dass die G-Serie ausläuft und mit der GT der Nachfolger kommt, war meine Vorfreude entsprechend groß.
Dann kam allerdings ziemlich schnell der erste Dämpfer.
Und ich dachte mir:
Mensch, was macht Scott hier?
Denn im ersten Moment war das für mich alles andere als klassisch.
Und dann je nach Modell auch noch vier- oder fünfteilig.
Mein erster Gedanke war wirklich:
Was machen die hier eigentlich?
Nicht negativ gemeint. Aber wenn man von der klassischen G-Serie kommt, erwartet man im ersten Moment einfach etwas anderes.
Genau deshalb war für mich schnell klar:
Diese Rute muss ich nicht auf dem Papier verstehen. Ich muss sie fischen.
Und genau darum soll es in diesem Bericht gehen.
Ich möchte hier ganz bewusst nur auf mein persönliches Empfinden beim Fischen eingehen.
Ich habe die Rute nicht gewogen und auch nicht bis ins letzte Detail vermessen. Für mich ist das ehrlich gesagt nicht entscheidend.
Ob eine Rute nun 70, 80 oder 90 Gramm wiegt, spielt für mich am Wasser kaum eine Rolle.
Diesen Trend, bei Ruten immer stärker auf möglichst niedrige Gewichte und einzelne Gramm zu schauen, bin ich Gott sei Dank nie wirklich mitgegangen.
Für mich stand immer etwas anderes im Vordergrund:
Eine Rute muss mir beim Fischen Spaß machen.
Sie muss sich gut anfühlen, zu meiner Art zu fischen passen und irgendwann so selbstverständlich in der Hand liegen, dass ich nicht mehr über die Rute nachdenke.
Sie muss eins mit mir werden und beim Fischen mit mir verschmelzen.
Wenn ich während des Fischens ständig über die Rute selbst nachdenke, dann passt für mich irgendetwas nicht.
Genau deshalb ist das hier kein technischer Test mit Waage, Messschieber und Tabellen.
Es ist einfach meine persönliche Erfahrung mit der Scott GT am Wasser.
Warum ich mich für die #4 in 8'10" entschieden habe
Ich entschied mich also, die Scott GT in mein Sortiment aufzunehmen, und bestellte gleichzeitig auch eine Rute für mich selbst.
Da ich persönlich überwiegend fein fische, fiel meine Wahl auf die #4 in 8'10".
Die 9'8" war mir für meine Art zu fischen einfach zu lang. Die 8'10" lag für mich noch am nächsten an dem, was ich von einer klassischen 9-Fuß-Rute erwartet hätte.
Trotzdem hatte ich meine Bedenken.
Wird sie mir am Ende vielleicht doch zu kurz sein?
Wird sie dadurch eventuell zu steif wirken und nicht so fischen, wie ich mir das vorstelle?
Ich wusste es wirklich nicht.
Auf der anderen Seite dachte ich mir natürlich auch:
Mensch, bei knapp 1.200 Euro muss die Rute doch gut sein.
Aber genau genommen wusste ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht, ob ich hier gerade die richtige Entscheidung getroffen hatte oder ob ich mir vielleicht doch ein bisschen die Katze im Sack gekauft hatte.
Ich glaube, irgendwann im März traf meine Bestellung dann bei mir im Shop ein.
Und das Erste, was ich aus den Kartons gesucht habe, war natürlich meine #4 in 8'10".
Der erste Eindruck
Beim Auspacken habe ich ehrlich gesagt erst einmal alles um mich herum ausgeblendet.
Ich öffnete die für Scott typische Verpackung. Darin lag das silberne Aluminiumrohr.
Ich nahm es vorsichtig heraus, schraubte die Kappe ab und zog das schwarze Futteral aus dem Rohr.
Dann legte ich es auf den Tisch, öffnete es und nahm die einzelnen Rutenteile heraus.
Ich legte sie nebeneinander auf das Futteral und kam mir für einen kurzen Moment fast vor, als wäre ich beim Juwelier.
Die Beschriftung, die Gravuren, die roten Zierwicklungen – alles wirkte sehr sauber und typisch Scott.
Auch der Kork war in der Qualität, die ich von Scott erwartet hatte. Der Übergang zum Rutenblank war sauber mit Epoxidharz versiegelt.
Besonders gut gefiel mir die Kombination aus Rollenhalter, dem ungeschliffenen Blank und den roten Akzenten.
Ich würde es ganz einfach so sagen:
Elegant. Mir gefällt’s.
Also steckte ich die Rute zusammen, richtete die Teile sauber aus und nahm sie das erste Mal richtig in die Hand.
Und da wusste ich eigentlich sofort:
Ja, das ist es.
Natürlich folgte auch das obligatorische Schütteln der Rute. Ich glaube, das macht fast jeder von uns automatisch, sobald er eine neue Rute in der Hand hält.
Die Rute fühlte sich überhaupt nicht steif an. Gleichzeitig war sie aber auch nicht zu weich.
Sie gab mir genau dieses Feedback in der Hand, das ich von einer Rute erwarte.
Nach diesem ersten Eindruck war ich vor allem gespannt, ob sich dieses Gefühl auch beim Werfen bestätigen würde.
Also Rolle montiert, Schnur drauf und raus auf eine nahegelegene Grünfläche.
Und dort kam dann der nächste Punkt:
Beim Werfen stellte ich sehr schnell fest, wie präzise die Rute arbeitet.
Die ersten Würfe fühlten sich für mich nahezu perfekt an.
Meine anfänglichen Bedenken wegen der 8'10" waren eigentlich sofort verschwunden.
Ich war begeistert.
Aber eine Grünfläche ist eben noch kein Fluss.
Jetzt hieß es erst einmal warten.
Noch gute eineinhalb Monate bis zum Saisonauftakt – und damit bis zu dem Moment, an dem sich zeigen sollte, ob dieser erste Eindruck auch am Wasser bestehen bleibt.
Am Wasser mit der Scientific Anglers Mastery SBT
Am Wasser angekommen, habe ich die Rute dann, wie man so schön sagt, auf Herz und Nieren getestet.
Gefischt habe ich sie mit der Scientific Anglers Mastery SBT, weil diese Kombination für meine Gewässer sehr gut passt und für mich eine erste Wahl ist.
Was soll ich sagen?
Für mich waren Würfe bis ungefähr 20 Meter mit dieser Kombination überhaupt kein Problem.
Man muss allerdings wissen, dass die Scientific Anglers Mastery SBT durch ihren Schnuraufbau nicht dafür gedacht ist, beliebig viel Schnur in der Luft zu halten.
Je nach Werfer liegt dieser Bereich ungefähr bei 15 bis 20 Metern.
Für meine Fischerei und meine Gewässer passt das aber sehr gut.
Gerade bei Wasserwürfen war die Kombination für mich ein Traum.
Rollwürfe, Switch Casts und ähnliche Würfe gingen sehr sauber von der Hand.
Diese Wasserwürfe nutze ich besonders gern beim Nymphenfischen, weil ich vermeiden möchte, dass die Nymphe beim Rückwurf den Blank berührt und ihn im schlimmsten Fall beschädigt.
Gerade bei etwas schwereren Nymphen ist mir das wichtig.
Mit Rollwurf, Switch Cast und ähnlichen Wasserwürfen kann ich die Fliege sauber nach vorne bringen, ohne unnötig viel Risiko für den Blank einzugehen.
Und genau hier hat mich die GT wirklich überzeugt.
Ich war praktisch jedes Mal in der Lage, die Nymphe genau dort zu präsentieren, wo ich sie haben wollte.
Beim Trockenfliegenfischen war es ähnlich.
In der für mich normalen Fishing Range waren die Würfe verdammt präzise.
Und genau das macht für mich den Reiz dieser Rute aus:
Sie wirft nicht einfach nur gut – sie macht beim Fischen unglaublich viel Spaß.
Im Drill zeigt die GT ihre eigentlichen Stärken

Beim Drill zeigte die GT für mich dann ihre wirklichen Stärken.
Ich konnte die Fische sehr schnell und sauber ausdrillen, auch mit relativ dünnen Vorfachstärken.
Gerade bei kleinen Fliegenmustern in Größe 18, 20 oder 22 war das für mich auffällig.
Mir sind deutlich weniger Fische ausgeschlitzt und auch Vorfachbrüche hatte ich weniger.
Vor allem bei größeren Äschen habe ich das sehr positiv gemerkt.
Mit meiner Scott Centric habe ich bei vergleichbarer Kombination deutlich mehr Fische verloren.
Das soll die Centric überhaupt nicht schlechtmachen. Sie ist einfach eine andere Rute.
Für meine feine Fischerei gefällt mir die Art, wie die GT im Drill arbeitet, aber deutlich besser.
Sie federt die Fluchten sehr sauber ab, biegt sich tief und gleichmäßig durch und vermittelt dabei trotzdem nie das Gefühl, schon am Limit zu sein.
Richtig bewusst wurde mir das erst, als ich beim Nymphenfischen eine kleinere Barbe von ungefähr 50 Zentimetern gehakt hatte – und zwar seitlich an der Brustflosse.
Trotz dieser ungünstigen Hakeposition war es kein Problem, die Barbe relativ schnell auszudrillen.
Und das mit einem 0,12er Vorfach.
Genau in solchen Situationen zeigt sich für mich, was diese Rute kann:
Sie hat genügend Rückgrat, um einen starken Fisch zu kontrollieren, bleibt dabei aber weich genug, um dünne Vorfächer und kleine Haken zu schonen.
Der Test in Bosnien
Ich nahm die GT später auch mit nach Bosnien.
Dort durfte sie ein alter Freund von mir fischen.
Und um seine Reaktion richtig einordnen zu können, muss man eines wissen:
Für die alte Garde in Bosnien ist eine 9-Fuß-Rute in Klasse #5 im Grunde der goldene Standard.
Da gibt es kaum Diskussionen.
Eine 8'10" lange Rute in Klasse #4 ist deshalb erst einmal etwas, bei dem automatisch die Augenbraue hochgeht.
Mein Freund ist außerdem seit vielen Jahren überzeugter Sage-Fan und fischt normalerweise fast ausschließlich 9-Fuß-Ruten in Klasse #5.
Entsprechend skeptisch war er, als ich ihm die GT in die Hand gedrückt habe.
Nach den ersten Würfen kam dann schon das erste Grinsen.
Aber richtig interessant wurde es beim Drill der ersten kapitalen Äsche.
Da wurde aus dem Grinsen ein Dauergrinsen.

Und genau in diesem Moment war für mich klar, dass ihn die GT wirklich gepackt hatte.
Nach unserem Angeltag meinte er sinngemäß zu mir:
„Wenn es rein ums Fischen geht und nicht darum, möglichst weit zu werfen, wäre die GT meine erste Wahl.“
Damit war der Test für mich eigentlich bestanden.
Denn wenn eine Rute nicht nur mich überzeugt, sondern auch jemanden, der seit Jahren einen ganz anderen Rutentyp bevorzugt, dann sagt mir das schon einiges.
Mein Fazit zur Scott GT
Für mich ist Scott mit der GT eine sehr gute Rutenserie gelungen.
Sie richtet sich aus meiner Sicht ganz klar an Fischer, die eine fischige Rute suchen.
Eine Rute, die weder zu weich noch zu steif ist, sehr gutes Feedback vermittelt und mit der sich extrem sauber präsentieren lässt.
Gerade das gefällt mir an der GT besonders.
Sie arbeitet tief genug, um dünne Vorfächer und kleine Haken im Drill zu schonen, hat aber trotzdem genügend Rückgrat, wenn ein starker Fisch einsteigt.
Wer dagegen eine reine Weitwurfmaschine sucht und hauptsächlich maximale Distanz im Kopf hat, für den ist die GT wahrscheinlich nicht die erste Wahl.
Dafür wurde sie aus meiner Sicht aber auch nicht entwickelt.
Und ja:
Knapp 1.200 Euro sind kein Schnäppchen. Das ist verdammt viel Geld für eine Fliegenrute.
Ich habe mir darüber vor dem Kauf auch meine Gedanken gemacht.
Aber nach den ersten richtigen Einsätzen am Wasser habe ich den Preis ziemlich schnell vergessen.
Seitdem denke ich beim Fischen nicht mehr darüber nach, was die Rute gekostet hat.
Ich genieße sie einfach nur noch.
Und damit bin ich wieder genau bei dem Punkt, der für mich am Anfang entscheidend war:
Eine gute Rute muss irgendwann aufhören, sich wie ein Stück Ausrüstung anzufühlen.
Sie muss eins mit mir werden und beim Fischen mit mir verschmelzen.
Genau dieses Gefühl gibt mir die GT.
Und ja, ganz ungefährlich war die Sache mit der GT für mich übrigens nicht.
Die #3 habe ich bisher nur probegeworfen.
Mehr eigentlich nicht.
Aber was soll ich sagen?
Ich fürchte, ich werde auch von ihr auf Dauer nicht die Finger lassen können.
Gerade wenn es im Herbst wieder an die wirklich feine Fischerei geht, mit kleinen Fliegen, dünnen Vorfächern und vorsichtigen Fischen, könnte genau diese Rute noch einmal sehr interessant werden.
Mehr sage ich dazu vorerst nicht.
Der Herbst steht ja praktisch schon vor der Tür.
Die GT ist für mich eine Rute zum wirklichen Fischen.
Präzise präsentieren, kontrolliert drillen und dabei Spaß haben.
Genau das kann sie für mich verdammt gut.



