Vorfach, Tippet und Vorfachring – so baue ich mein Vorfach auf

Beim Vorfach gibt es meiner Meinung nach nicht die eine Länge oder den einen Aufbau, der immer und überall passt. Das eigene Können, die Gewässerbreite, der Bewuchs, die Strömung, der Wasserstand, die Jahreszeit, ein möglicher Insektenschlupf und natürlich die zu erwartenden Fische spielen dabei eine wichtige Rolle.
Die folgenden Empfehlungen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen an unterschiedlichen Gewässern – von Finnland über Bayern und Österreich bis nach Bosnien. Sie beziehen sich auf das klassische Forellen- und Äschenfischen mit Trockenfliege und Nymphe an bewatbaren Gewässern, die nicht zu stark zugewachsen sind.
Meine Angaben sind keine starren Regeln. Sie sollen eine praktische Ausgangsbasis darstellen, die jeder Fliegenfischer an sein Gewässer, die jeweilige Situation und das eigene Können anpassen kann.
Die richtige Vorfachlänge
Gerade Anfänger sollten ihr Vorfach nicht unnötig lang wählen. Je länger das gesamte System aus gezogenem Vorfach, Vorfachring und Tippet wird, desto anspruchsvoller wird der Wurfablauf.
Beim Erlernen des Fliegenwerfens empfehle ich Anfängern grundsätzlich eine 9-ft-Rute. Dazu passt als Ausgangspunkt ein gezogenes Vorfach mit 7,5 ft beziehungsweise etwa 2,40 m, ergänzt durch einen Vorfachring und ungefähr 50 cm bis maximal 1 m Tippet.
Dieser Aufbau erleichtert den Wurfablauf und ist für den Einstieg besser kontrollierbar. Das Ziel ist am Anfang nicht, möglichst lang und fein zu fischen, sondern ein Gefühl für Rute, Schnur und Vorfach zu entwickeln.
Mit zunehmender Erfahrung kann auf ein gezogenes 9-ft-Vorfach mit ungefähr 2,80 m gewechselt werden. Dazu kommen je nach Gewässer, Jahreszeit, Wasserstand, Insektenschlupf und Verhalten der Fische etwa 1 bis 1,5 m Tippetmaterial – in besonderen Situationen auch etwas mehr.
Fortgeschrittene fischen beim klassischen Trockenfliegen- und Nymphenfischen häufig ein gesamtes Vorfachsystem, das ungefähr eineinhalbmal so lang wie die Rute ist.
Es gibt Fliegenfischer, die noch deutlich längere Vorfächer verwenden. Das kann unter bestimmten Bedingungen Vorteile bringen, ist aber nicht jedermanns Sache. Solche Systeme verlangen mehr Gefühl, ein sauberes Timing und eine gute Kontrolle beim Werfen und Präsentieren.
Auch das Eineinhalbfache der Rutenlänge ist deshalb nur ein Richtwert. An einem engen oder stärker bewachsenen Bach kann ein kürzerer Aufbau sinnvoll sein. An einem breiten, offenen Gewässer kann ein längeres Vorfach dagegen Vorteile bringen.
Wann ich das Tippet verlängere

Die Länge des Tippets hängt stark von der jeweiligen Situation ab.
Bei niedrigem und klarem Wasser, vorsichtigen Fischen oder einem deutlichen Insektenschlupf kann ein längeres Tippet von etwa 1,5 m oder mehr sinnvoll sein. Bei höherem Wasserstand, stärkerer Strömung oder weniger anspruchsvollen Bedingungen reicht häufig ungefähr 1 m.
Das Vorfach sollte deshalb nicht einmal aufgebaut und anschließend unabhängig von den Bedingungen weitergefischt werden. Oft reichen kleine Anpassungen, um die Präsentation deutlich zu verbessern.
Trockenfliege und Nymphe mit demselben Grundaufbau
Mit diesem grundsätzlichen Vorfachaufbau bin ich nicht auf eine einzige Art des Fischens festgelegt. Je nach Situation kann ich zwischen Trockenfliege und Nymphe wechseln, ohne das komplette Vorfach neu aufzubauen.
Die gewählte Tippetstärke bleibt dabei in der Regel bestehen. Nur die Länge passe ich an, wenn es die Situation wirklich verlangt.
Wenn ich mich zum Beispiel für ein 0,14-mm-Tippet entschieden habe, fische ich damit normalerweise sowohl die Trockenfliege als auch die Nymphe weiter. Ich schneide nicht bei jedem Wechsel unnötig Material ab, nur um eine andere Stärke anzuknoten.
Das Streamerfischen ist für mich dagegen ein eigenes Thema und wird deshalb in einem separaten Artikel ausführlich behandelt.
Sauberes Abrollen und natürliche Präsentation sind zwei verschiedene Dinge
Ein gezogenes Vorfach soll die Energie der Fliegenschnur sauber übertragen und kontrolliert abrollen. Beim eigentlichen Fischen muss das Vorfach danach aber nicht vollkommen gestreckt auf dem Wasser liegen.
Gerade beim Trockenfliegenfischen im Fließgewässer ist eine gewisse Reserve in Vorfach und Tippet oft sogar erwünscht. Mit einem Reach Cast, einem Parachute Cast oder durch leichtes Zurückziehen der Schnur kann das Vorfach bewusst etwas in sich zusammengelegt werden.
Dadurch greift die Strömung nicht sofort auf das gesamte System zu und die Fliege kann länger natürlich driften.
Viele verwechseln an dieser Stelle gutes Werfen mit gutem Fischen. Die saubere Kraftübertragung ist die Grundlage. Die bewusste Ablage entscheidet anschließend darüber, wie natürlich die Fliege präsentiert wird.
Deshalb ist es aus meiner Erfahrung auch kein Problem, ein gezogenes Vorfach mit einer Spitze von 0,17 mm über einen Vorfachring mit einem 0,12-mm-Tippet zu verlängern. Entscheidend ist nicht, dass das gesamte System vollkommen gestreckt liegt, sondern dass die Fliege kontrolliert und natürlich präsentiert wird.
Welche Spitzenstärke sollte das gezogene Vorfach haben?
Bei gezogenen Vorfächern empfehle ich für viele typische Situationen eine Spitze von etwa 0,17 oder 0,20 mm.
An Gewässern mit normaler Strömung, an denen gute Äschen und Forellen zu erwarten sind, verwende ich häufig ein gezogenes Vorfach mit einer Spitze von 0,17 mm. Dieses kann anschließend über einen Vorfachring mit feinerem Tippetmaterial verlängert werden.
Aus meiner Erfahrung lässt sich eine Spitze von 0,17 mm problemlos mit einem Tippet bis ungefähr 0,12 mm weiterführen. Das bedeutet jedoch nicht, dass grundsätzlich immer so fein gefischt werden sollte. Die tatsächliche Tippetstärke muss zur Fliege, zur Strömung, zur Fischgröße und zur jeweiligen Situation passen.
An Gewässern, an denen mit kapitaleren Forellen gerechnet werden muss, würde ich eher eine Spitze von 0,20 mm wählen. Je nach erwarteter Fischgröße und den Bedingungen kann diese mit einem Tippet von 0,16 mm, 0,18 mm oder auch in derselben Stärke von 0,20 mm verlängert werden.
So bleibt genügend Sicherheit beim Drill, ohne dass der Vorfachaufbau unnötig grob gewählt wird.
Tippetstärke und Fliegengröße
Für Trockenfliegen und Nymphen in den Größen von ungefähr #8 bis #20 kann man sich grob an folgenden Tippetstärken orientieren:
etwa 0,16 bis 0,20 mm
etwa 0,14 bis 0,16 mm
etwa 0,12 bis 0,14 mm
Diese Einteilung ist bewusst nur eine grobe Orientierung. Bei einer Fliege in Größe #10 können abhängig von Fischgröße, Strömung und Gewässer beispielsweise sowohl 0,16 als auch 0,14 mm sinnvoll sein.
Bei stärkerer Strömung, größeren Fischen oder vielen Hindernissen sollte man eher etwas stärker fischen. In ruhigem, klarem Wasser und bei vorsichtigen Fischen bringt ein dünneres Tippet dagegen klare Vorteile. Es ist weniger auffällig und ermöglicht häufig eine natürlichere Präsentation.
Für mich gilt:
So fein wie nötig, aber so stark wie möglich.
Ein unnötig dünnes Tippet bringt keinen Vorteil, wenn dadurch Fische verloren gehen oder der Drill unnötig verlängert wird.
Warum ich einen Vorfachring verwende
Ein Vorfachring ermöglicht es, die Spitze des gezogenen Vorfachs mit neuem Tippetmaterial zu verlängern, ohne das eigentliche Vorfach bei jedem Wechsel weiter zu verkürzen.
Ohne Vorfachring müsste beim Wechsel des Tippets jedes Mal ein weiteres Stück des gezogenen Vorfachs abgeschnitten werden. Dadurch würde es nach und nach kürzer und gleichzeitig am Ende immer stärker.
Mit einem Vorfachring bleibt das gezogene Vorfach dagegen weitgehend erhalten. Nur das daran befestigte Tippet wird erneuert oder an die verwendete Fliege und die aktuelle Situation angepasst.
Das ist nicht nur praktisch, sondern gerade für Anfänger auch geldbeutelschonend. Ein hochwertiges gezogenes Vorfach muss dadurch nicht ständig vollständig ersetzt werden.
Ich fische ein gezogenes Vorfach in der Regel eine ganze Saison. Das gilt natürlich nur, solange es technisch in Ordnung ist.
Wird es durch Steine, Äste, scharfe Kanten oder andere Hindernisse beschädigt, muss die betroffene Stelle eingekürzt oder das Vorfach vollständig ausgetauscht werden.
Deshalb kontrolliere ich Vorfach und Tippet regelmäßig mit den Fingern. Raue Stellen, Kerben oder andere erkennbare Beschädigungen sind ein klares Zeichen dafür, dass gehandelt werden muss.
Mein Aufbau für Anfänger
Für den Einstieg empfehle ich an einer 9-ft-Rute:
7,5-ft-Vorfach beziehungsweise etwa 2,40 m
Vorfachring
50 cm bis maximal 1 m Tippet
Damit bleibt das System gut kontrollierbar.
Später kann auf ein 9-ft-Vorfach mit ungefähr 1 bis 1,5 m Tippet gewechselt werden. Je nach Gewässer und Situation kann das Tippet anschließend auch länger gewählt werden.
Fluorocarbon oder Nylon?

Für das Tippet kommen je nach Einsatz unterschiedliche Materialien infrage.
Fluorocarbon wird häufig beim Nymphenfischen eingesetzt. Viele Fliegenfischer schätzen es, weil es unter Wasser vergleichsweise unauffällig ist und meist eine gute Abriebfestigkeit besitzt. Das kann besonders bei Steinen oder anderen Hindernissen von Vorteil sein.
Nylon ist meist geschmeidiger und eignet sich sehr gut für die Trockenfliegenfischerei sowie viele klassische Situationen beim Forellen- und Äschenfischen.
Welche Variante besser passt, hängt vom Gewässer, von der verwendeten Fliege und von der eigenen Art zu fischen ab. Auch hier gibt es für mich keine Lösung, die in jeder Situation automatisch die beste ist.
Dabei muss aber auch ganz klar gesagt werden: Wenn ich bereits eine Fluorocarbon-Spitze montiert habe, mit der Nymphe fische und anschließend schnell auf die Trockenfliege wechseln möchte, lasse ich das Fluorocarbon selbstverständlich am Vorfach.
Genauso verfahre ich umgekehrt, wenn bereits Nylon montiert ist und ich kurzfristig auf eine Nymphe wechsle.
Wir sollten schließlich alle möglichst nachhaltig fischen und nicht bei jedem Wechsel unnötig Tippetmaterial abschneiden und Müll produzieren.
Entscheide ich mich jedoch bereits vor Beginn des Fischens aufgrund der Bedingungen für die Trockenfliege, starte ich normalerweise mit Nylon. Beginne ich dagegen mit der Nymphe, verwende ich in der Regel Fluorocarbon.
Es geht also nicht darum, bei jedem Wechsel zwanghaft das Material auszutauschen. Entscheidend ist, womit ich an diesem Tag beginne und was unter den jeweiligen Bedingungen sinnvoll ist.
Mein Fazit
Beim Vorfach gibt es für mich keine starre Lösung, die überall passt. Länge und Durchmesser müssen zum eigenen Können, zur Rute, zum Gewässer, zur Fliegengröße und zu den erwarteten Fischen passen.
Anfängern empfehle ich an einer 9-ft-Rute zunächst ein gezogenes Vorfach mit etwa 2,40 m, einen Vorfachring und 50 cm bis maximal 1 m Tippet. Mit zunehmender Erfahrung kann das System schrittweise verlängert und feiner abgestimmt werden.
Mit diesem Grundaufbau lässt sich je nach Situation zwischen Trockenfliege und Nymphe wechseln, ohne das gesamte Vorfach immer wieder neu aufzubauen.
Der Vorfachring hält das System flexibel und verhindert, dass das gezogene Vorfach bei jedem Tippetwechsel weiter verkürzt wird.
Entscheidend ist am Ende nicht, einen festen Wert auswendig zu lernen. Entscheidend ist, das Vorfach am Wasser an die tatsächliche Situation anzupassen.



