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Wathosen beim Fliegenfischen – meine Erfahrungen von Gummi über Neopren bis atmungsaktiv

22. Aug.
15 Min. Lesezeit
Fliegenfischer mit atmungsaktiver Wathose beim Fliegenfischen im Fluss.
Mit atmungsaktiver Wathose am Wasser – für mich seit vielen Jahren die angenehmste Lösung beim Fliegenfischen.

Wathosen sind heute weit mehr als nur ein Kleidungsstück zum Angeln. Für viele Fliegenfischer gehören sie ganz selbstverständlich zur Ausrüstung und werden teilweise viele Stunden am Stück getragen.

Wenn ich mich zurückerinnere, begann bei mir alles mit einer einfachen Gummiwathose mit angeschweißten Gummistiefeln.

Für mich war das damals etwas Besonderes. Spätestens mit dieser Hose gehörte ich gefühlt zu den Fliegenfischern, die das Privileg hatten, tatsächlich ins Wasser zu gehen. Selbst mitten im Sommer war mir völlig egal, dass ich darin komplett durchgeschwitzt war. Hauptsache, ich konnte im Gewässer stehen.

Gott sei Dank hielt diese Hose nur eine kurze Saison.

Meine erste Neopren-Wathose

Beim Durchblättern der damaligen Kataloge waren Neopren-Wathosen sehr präsent. Irgendwann kaufte ich mir meine erste – natürlich wieder mit angeschweißten Stiefeln und Filzsohle.

Ich kann heute kaum noch beschreiben, wie stolz ich damals war.

Und wenn schon, dann richtig: Ich entschied mich für das hochwertige 5-mm-Neopren und nicht für die günstigere 3-mm-Variante. So wurde es mir damals im Fachhandel erklärt: dicker, besser gepolstert und vor allem wärmer.

Solange ich bei normalen Temperaturen in Österreich fischte, war auch alles in Ordnung.

Dann kam der Augusturlaub in Bosnien.

Ich kam an einen kleinen Wiesenbach, an dem praktisch niemand watete und fast ausschließlich vom Ufer gefischt wurde. Selbstverständlich zog ich meine 5-mm-Neopren-Wathose an.

Meine einheimischen Freunde, alles ältere und erfahrene Fliegenfischer, schauten mich etwas verdutzt an.

Gegen zehn Uhr wurde es langsam unangenehm.

Gegen zwei Uhr war endgültig Schluss.

Den Rest des Urlaubs fischte ich teilweise in kniehohen Gummistiefeln oder einfach in Flip-Flops. Meine vermeintlich besonders hochwertige 5-mm-Wathose war für diese Bedingungen schlicht die falsche Wahl.

Meine erste atmungsaktive Wathose

Etwa ein oder zwei Jahre später – ich kann heute nicht mehr genau sagen, ob es 2005 oder 2006 war – bot mir ein Arbeitskollege an, über seinen Sohn günstig eine Wathose zu besorgen.

Ein paar Wochen später lag sie vor mir.

Sie war grau, fühlte sich fast wie Stoff an und hatte keine angeschweißten Gummistiefel. Stattdessen waren Neoprenfüßlinge angebracht.

Mir war sofort klar:

Das war eine atmungsaktive Wathose.

Watschuhe fand ich damals allerdings noch ziemlich teuer. Also machte ich zunächst das, was man eben macht, wenn man etwas Geld sparen möchte: Ich zweckentfremdete andere Schuhe.

Um Pfingsten herum fischte ich diese Wathose dann zum ersten Mal richtig – am Unac bei Martin Brod in Bosnien.

Schon nach kurzer Zeit merkte ich den Unterschied. Ich konnte mich wesentlich freier bewegen, mir wurde nicht annähernd so schnell heiß und das gesamte Gefühl beim Gehen und Waten war ein anderes.

Die richtigen Watschuhe folgten dann ziemlich schnell.

Und für mich war nach dieser Saison klar:

Nur noch atmungsaktiv.

Gummi, Neopren und atmungsaktiv – alles hat seine Berechtigung

Auch heute, rund 20 Jahre später, gibt es weiterhin Wathosen aus Gummi, Neopren und atmungsaktiven Materialien.

Alle drei Varianten haben aus meiner Sicht ihre Daseinsberechtigung.

Daneben gibt es natürlich noch das sogenannte Wet Wading. Dazu möchte ich allerdings nicht viel schreiben, weil mir hier schlicht die eigene praktische Erfahrung fehlt.

Atmungsaktive Wathosen gehören heute für mich ganz selbstverständlich zum Erscheinungsbild des modernen Fliegenfischers.

Eine Neopren-Wathose sieht man am Wasser mittlerweile deutlich seltener. Klassische Gummiwathosen begegnen mir meiner Erfahrung nach vor allem noch bei Einsteigern oder bei Fischern, die nur gelegentlich ins Wasser gehen.

Was darf eine Wathose eigentlich kosten?

Heute gibt es Wathosen praktisch für jeden Geldbeutel.

Die Preisspanne beginnt ungefähr bei 150 Euro und reicht bei Spitzenmodellen bis weit über 1.000 Euro, teilweise bis etwa 1.400 oder 1.500 Euro.

Und genau hier beginnt jedes Jahr wieder dieselbe Diskussion:

Welche Marke ist die beste? Welche hält am längsten? Wer bietet den besten Service? Brauche ich Gore-Tex? Brauche ich einen wasserdichten Reißverschluss? Und warum werden Wathosen eigentlich immer teurer?

Natürlich könnte man ganz einfach sagen:

Die teuerste Wathose muss auch die beste sein.

Ganz so einfach sehe ich das nicht.

Eine hochwertige Wathose kann robustere Materialien, aufwendigere Laminate, zusätzliche Verstärkungen, einen ausgefeilteren Schnitt, einen wasserdichten Reißverschluss und einen umfangreicheren Service bieten.

Die wichtigere Frage lautet für mich aber:

Brauche ich das alles für meine Art zu fischen?

Wer sehr häufig fischt, lange Tage im Wasser verbringt oder regelmäßig unter rauen Bedingungen im Norden, in Nordamerika oder Südamerika unterwegs ist – vielleicht sogar weit weg von der nächsten Ortschaft oder einem Händler, bei dem man schnell Ersatz bekommt – stellt andere Anforderungen an Material, Verarbeitung, Haltbarkeit und Service als jemand, der nur einige Male im Jahr an einem heimischen Gewässer unterwegs ist.

Für den einen sind 1.200 oder 1.400 Euro für eine Wathose kein großes Thema. Ein anderer muss dafür lange arbeiten oder über Monate Geld zur Seite legen.

Auch Marke, Herkunft und Lifestyle können beim Kauf eine Rolle spielen. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Man sollte sich nur bewusst sein, wofür man den Mehrpreis bezahlt.

Mein Rat ist deshalb, sich vor dem Kauf zuerst ehrlich zu fragen:

Was will ich mit der Wathose eigentlich machen und wie oft bin ich wirklich am Wasser?

Für mich gibt es keinen Preis, ab dem eine Wathose automatisch gut oder schlecht ist.

Entscheidend ist, ob ihre Eigenschaften zur eigenen Fischerei passen.

Die Passform – eine Wathose muss gut sitzen

Eine Wathose muss gut sitzen und darf nirgends unangenehm spannen.

Die bekannten Hersteller bieten heute zum Glück sehr viele Größen, Zwischengrößen und meist auch vernünftige Größentabellen an.

Natürlich gibt es immer wieder jemanden, der komplett aus dem üblichen Raster fällt. Das lässt sich nie ganz vermeiden, kommt meiner Erfahrung nach aber eher selten vor.

Und jetzt kommt der klassische Satz:

Am besten ausprobieren.

Bei einer Wathose bedeutet das natürlich: anziehen.

Leider hat nicht jeder einen Fachhändler direkt um die Ecke, der genau das gewünschte Modell in der passenden Größe führt.

Dann hilft nur eines:

Maßband raus und sauber messen.

Wenn man anhand der Größentabelle klar innerhalb einer Größe liegt, sitzt die Hose in der Regel auch entsprechend gut.

Interessanter wird es, wenn man genau an einer Größengrenze liegt.

Im Frühjahr, Herbst oder Winter trägt man unter der Wathose automatisch mehr Kleidung. Der eine etwas weniger, der andere baut sich regelrecht ein Zwiebelschicht-System auf.

Genau dann können ein oder zwei Zentimeter plötzlich den Unterschied machen.

Wenn ich also genau an der Grenze zwischen zwei Größen liege und weiß, dass ich auch bei kühleren Temperaturen fische, würde ich genügend Reserve einplanen.

Die Wathose zu Hause richtig anprobieren

Wenn die Wathose geliefert wird, würde ich sie nicht einfach kurz anziehen, in den Spiegel schauen und sagen: passt.

Ich würde sie am besten über einer Trainingshose oder einer ähnlichen Schicht anziehen, den Watgürtel anlegen und mich bewusst bewegen.

Dazu gehören für mich Kniebeugen, Ausfallschritte, in die Hocke gehen, ein Bein anheben, sich nach vorne beugen und einige größere Schritte machen.

Dabei merkt man sehr schnell, ob die Hose irgendwo spannt oder die Bewegungsfreiheit einschränkt.

Danach sollte man sich die Neoprenfüßlinge genauer ansehen.

Sie dürfen nicht unnötig groß sein und sollten sauber am Fuß sitzen. Später müssen sie auch im Watschuh vernünftig Platz finden, ohne sich stark zu falten oder zusammenzuschieben.

Warum die richtige Größe auch die Haltbarkeit beeinflusst

Eine Wathose, die gut sitzt, hat weniger Bereiche, in denen Material unnötig aneinanderreibt oder dauerhaft unter Spannung steht.

Das Gleiche gilt für die Neoprenfüßlinge. Sind sie zu groß und liegen im Watschuh ständig in Falten, entsteht zusätzliche Reibung.

Ich weiß, jetzt werden einige sagen:

Dafür gibt es doch Opfersocken.

Ich persönlich habe sie nie verwendet.

Trotzdem haben meine Wathosen auch ohne solche zusätzlichen Socken über viele Jahre ihren Dienst getan.

Meine aktuelle Wathose habe ich sogar seit ungefähr 2018.

Und jedes Jahr ist es dasselbe:

Einerseits hoffe ich fast, dass sie irgendwann einmal undicht wird, damit ich endlich einen Grund habe, mir ein neues Modell zu kaufen.

Andererseits denke ich jedes Mal wieder:

Mensch, was habe ich für ein Glück gehabt, genau dieses Modell gewählt zu haben.

Fast wie bei einem guten alten 1,9-Liter-Diesel oder bei diesen alten Mercedes-Taxis, bei denen man irgendwann das Gefühl hatte, der Kilometerzähler gibt eher auf als der Motor.

Man wartet irgendwie darauf, dass endlich etwas passiert – aber das Ding läuft und läuft.

Der Watgürtel – für mich Pflicht

Einen Punkt würde ich bei einer brusthohen Wathose niemals unterschätzen:

den Watgürtel.

Für mich gehört er immer dazu.

Er sorgt nicht nur dafür, dass die Wathose sauber sitzt. Vor allem kann er bei einem Sturz den schnellen Wassereintritt in den unteren Bereich der Hose begrenzen.

Natürlich macht ein Watgürtel tiefes oder gefährliches Waten nicht automatisch sicher.

Er ersetzt weder Vorsicht noch eine vernünftige Einschätzung von Strömung, Untergrund und eigener Standfestigkeit.

Aber eine brusthohe Wathose ohne angelegten Watgürtel würde ich persönlich nicht fischen.

Deshalb lege ich ihn auch bei der Anprobe zu Hause an. Ich möchte die Hose so testen, wie ich sie später tatsächlich am Wasser trage.

Welche Wathosen-Typen gibt es?

Heute gibt es im Wesentlichen vier Varianten:

Ich finde grundsätzlich alle Systeme gut.

Ich selbst verwende zwei unterschiedliche Modelle: eine klassische brusthohe Wathose und zusätzlich eine hüfthohe Variante.

Die brusthohe Wathose nutze ich vor allem im Frühjahr, bei kühlerem oder windigem Wetter und an Gewässern, die ich queren muss und die stellenweise etwas tiefer sind. Sie schützt zusätzlich vor Wind und gibt mir einfach mehr Reserve.

Die hüfthohe Wathose bevorzuge ich dagegen im Sommer und an Gewässern, an denen ich weiß, dass ich beim Queren nicht besonders tief ins Wasser muss.

Sie ist leichter, luftiger und für warme Tage einfach angenehmer.

Convertible-Wathosen

Wathosen, deren oberer Bereich heruntergelassen werden kann, finde ich ebenfalls sehr sinnvoll.

Gerade an heißen Tagen kann man den Brustbereich einfach bis zur Hüfte herunterlassen. Dadurch wird die Hose angenehmer zu tragen, ohne dass man gleich eine zweite hüfthohe Wathose benötigt.

Für jemanden, der möglichst flexibel sein möchte und nur eine Wathose kaufen will, ist das aus meiner Sicht eine interessante Lösung.

Wathosen mit Reißverschluss

Auch Wathosen mit wasserdichtem Frontreißverschluss haben klare Vorteile.

Im Sommer kann man den Reißverschluss kurz öffnen und für etwas zusätzliche Belüftung sorgen.

Noch wichtiger ist für mich aber ein ganz praktischer Punkt:

Wenn man zur Toilette muss, muss man nicht erst Weste, Jacke oder anderes Zubehör komplett ablegen.

Das klingt vielleicht banal, ist bei einem langen Tag am Wasser aber ausgesprochen angenehm.

Wie tief sollte man eigentlich waten?

Nur weil man eine brusthohe Wathose trägt, muss man nicht möglichst tief ins Wasser gehen.

Zumindest an vielen unserer Gewässer reicht es meiner Erfahrung nach vollkommen aus, bis zu den Knien oder maximal knapp unter die Hüfte zu waten.

Wie weit man tatsächlich hineingeht, hängt natürlich immer von Strömung, Untergrund und Gewässer ab.

Eine Wathose kann manchmal dazu verleiten, tiefer zu gehen, nur weil es technisch möglich ist.

Das halte ich nicht für sinnvoll.

Je tiefer man steht, desto stärker wirkt die Strömung auf den Körper und desto schwieriger wird jeder Schritt.

Meine brusthohe Wathose nutze ich deshalb nicht, um möglichst tief zu stehen, sondern vor allem dann, wenn ich ein Gewässer queren muss oder das Wetter kühler und unangenehmer ist.

Winterfischen – muss es Neopren sein?

Back to Neopren – und jetzt aufgpasst, Burschen.

Im Winter sieht man nach wie vor einige Fischer mit der Neopren-Wathose am Wasser.

Natürlich empfindet jeder Kälte anders, und das hier ist nur meine persönliche Erfahrung.

Zuerst muss man sich aber bewusst machen, bei welchen Temperaturen wir überhaupt noch sinnvoll fischen.

Bei extremen Minustemperaturen geht es zwar theoretisch, aber wie lange?

Spätestens nach ein paar Würfen hängt Eis an Schnur und Ringen, und dann wird das Ganze schnell mühsam.

Meistens bewegen wir uns beim Winterfischen irgendwo um den Gefrierpunkt.

Und genau da hört man immer wieder:

„Im Winter is a Neoprenhosn besser, de is wärmer.“

Achtung, jetzt wird’s kurz bairisch:

„Aufgpasst, Burschen – so stimmt des ned unbedingt. Wenn i bei Temperaturen um an Gefrierpunkt draußen bin und i ma a gscheide Unterwäsche oziag, dann is ma in ana atmungsaktiven Wathosn a ned koid.“

Solange ein Fluss offen und nicht zugefroren ist, bewegt sich das Wasser ebenfalls ungefähr um den Gefrierpunkt beziehungsweise darüber.

Natürlich ist das kalt.

Beim normalen Winterspaziergang trägt ja aber auch kaum jemand eine fünf Millimeter dicke Neoprenhose.

Achtung, jetzt wird’s kurz bairisch:

„De meisten geh’n im Winter a ned mit ana Neoprenhosn spaziern. A normale Hosn langt – und wenn’s gscheid koid is, ziagt ma hoid a lange Unterhosn drunter.“

Diese Erfahrung habe ich besonders in Finnland gemacht.

Dort kann es im Frühjahr noch richtig kalt sein, und teilweise bricht das Eis an den Flüssen erst im April auf.

Trotzdem standen wir – wie die Bekloppten – am Wasser und haben gefischt.

Gerade dort habe ich für mich gemerkt, dass nicht automatisch die dickste Wathose die beste Lösung ist.

Ich bin grundsätzlich jemand, der nicht besonders schnell friert. Wenn ich normale Kleidung unter einer dicken Neopren-Wathose trage, komme ich relativ schnell ins Schwitzen – selbst im Winter.

Und genau das kann später unangenehm werden, weil Feuchtigkeit am Körper irgendwann zum Auskühlen führen kann.

Mit vernünftiger Unterbekleidung und einer atmungsaktiven Wathose war das für mich deshalb oft angenehmer als dickes Neopren.

Natürlich kann das bei jedem anders sein. Wer sehr schnell friert, kann Neopren weiterhin angenehm finden.

Für mich persönlich ist aber nicht die Wathose allein entscheidend, sondern vor allem das, was ich darunter trage.

Socken – nicht unterschätzen

Ganz wichtig sind dabei auch die Socken.

Egal ob Winter oder Sommer: Bei den Socken würde ich nicht sparen.

Gute Materialien, die Feuchtigkeit vom Fuß wegtransportieren und keine unangenehmen Falten bilden, machen einen deutlich größeren Unterschied, als viele glauben.

Gerade im Winter können schlechte oder feuchte Socken einen ansonsten guten Angeltag ziemlich schnell ungemütlich machen.

Wie ist eine atmungsaktive Wathose aufgebaut?

Bei atmungsaktiven Wathosen findet man unterschiedliche mehrlagige Materialaufbauten.

Je nach Modell und Hersteller kommen beispielsweise drei-, vier- oder fünflagige Laminate zum Einsatz. Teilweise ist auch nur der stärker beanspruchte untere Bereich zusätzlich verstärkt.

Dabei würde ich aus der Zahl der Lagen allein keine Wissenschaft machen.

Fünf Lagen bedeuten nicht automatisch, dass eine Wathose für jeden Fischer besser ist als eine drei- oder vierlagige.

Mehr Material kann zusätzliche Robustheit bringen, gleichzeitig aber auch Gewicht, Steifigkeit und Tragegefühl verändern.

Entscheidend ist für mich wieder der Einsatz.

Wer sich häufig durch Gestrüpp bewegt, viel kniet, an steinigen Gewässern unterwegs ist oder sehr viele Tage im Jahr fischt, stellt andere Anforderungen an das Material als jemand, der überwiegend an offenen und leicht zugänglichen Flüssen unterwegs ist.

Trocknen und Pflege

Nach dem Fischen sollte die Wathose aus meiner Sicht zuerst ordentlich trocknen.

Ich hänge sie dafür am liebsten luftig auf oder lege sie über eine Bank beziehungsweise einen Stuhl, sodass möglichst viel Luft an das Material kommt.

Wenn ich stark geschwitzt habe und die Hose innen entsprechend feucht ist, drehe ich sie auch einmal auf links und lasse die Innenseite trocknen.

Bei der Pflege gehen die Meinungen auseinander.

Ich persönlich wasche meine Wathosen praktisch nie.

Für mich ist wichtiger, dass sie nach dem Fischen vernünftig trocknen können, gut gelüftet und anschließend hängend oder locker gelagert werden.

Am Ende der Saison bürste ich die Außenseite mit einer weichen Bürste sauber. Wenn die Wathose während der Saison stärker verschmutzt ist, mache ich das vielleicht auch ein zweites Mal.

Mehr mache ich persönlich eigentlich nicht.

Das ist meine Vorgehensweise und keine allgemeingültige Pflegeanleitung. Wer seine Wathose waschen möchte, sollte sich an die Pflegehinweise des jeweiligen Herstellers halten.

Eines würde ich allerdings vermeiden:

Eine feuchte Wathose zusammenlegen und anschließend tagelang irgendwo im Kofferraum, Keller oder in einer Tasche vergessen.

Imprägnieren – darauf verzichte ich persönlich

Auch beim Thema Imprägnierung gehen die Meinungen auseinander.

Ich persönlich verzichte bewusst darauf.

Natürlich kann es sein, dass sich die äußere Stofflage einer atmungsaktiven Wathose mit der Zeit stärker mit Wasser vollsaugt und sich die Hose dadurch außen nasser oder schwerer anfühlt.

Trotzdem habe ich für mich entschieden, keine zusätzliche Imprägnierung aufzutragen.

Der Grund ist relativ einfach:

Ich möchte möglichst wenig zusätzliche Chemie an meiner Wathose verwenden.

Ob und in welchem Umfang solche Mittel später tatsächlich ins Wasser gelangen, kann ich nicht beurteilen.

Ich habe für mich aber einfach den Gedanken: Wenn ich etwas auf die Außenseite einer Wathose auftrage und anschließend stundenlang damit im Wasser stehe, wird ein Teil davon irgendwann abgetragen oder ausgewaschen.

Ob das in jedem Fall so passiert, kann ich nicht belegen.

Deshalb ist das keine wissenschaftliche Aussage, sondern ausschließlich meine persönliche Entscheidung.

Ich verzichte darauf und bin damit bisher gut gefahren.

Wer seine Wathose imprägnieren möchte, sollte sich auch hier an die Empfehlungen des jeweiligen Herstellers halten.

Pinholes – oft sind es die kleinen Dinge

Wenn eine atmungsaktive Wathose irgendwann undicht wird, muss nicht gleich irgendwo ein großer Riss zu sehen sein.

Sehr häufig sind es kleine Pinholes, also winzige Beschädigungen im Material.

Sie können beispielsweise durch Dornen, scharfe Kanten, Reibung, Scheuern oder einfach durch viele Einsatztage entstehen.

Das Tückische daran: Von außen sieht die Hose oft noch vollkommen in Ordnung aus, trotzdem wird es innen an einer bestimmten Stelle langsam feucht.

Bei einer älteren Wathose ist das für mich zunächst kein großes Drama.

Kleine Stellen lassen sich häufig mit einem geeigneten Reparaturmittel wie Aquasure wieder abdichten.

Bei einer neuen Wathose nicht sofort selbst kleben

Ist eine neue oder noch relativ junge Wathose undicht, würde ich niemals sofort selbst mit Aquasure oder einem anderen Kleber daran arbeiten.

Zuerst würde ich immer den Händler beziehungsweise Hersteller kontaktieren.

Es sollte zunächst geklärt werden, ob Garantie, Gewährleistung oder ein Reparaturservice greift.

Ich höre immer wieder, dass einzelne Modelle schon relativ früh undicht werden – und zwar markenübergreifend.

Das bedeutet für mich nicht automatisch, dass die gesamte Marke schlecht ist.

Auch bei einem hochwertigen Produkt kann einmal etwas nicht passen.

Gerade dann ist für mich interessant, wie Händler und Hersteller damit umgehen.

Je nach Hersteller und Situation wird ersetzt oder die Wathose zur Prüfung beziehungsweise Reparatur eingesendet.

Bei manchen sehr hochwertigen Wathosen gehört genau dieser Reparaturservice zum Gesamtkonzept.

Erst wenn klar ist, dass ich die Reparatur selbst durchführen soll oder die Hose ohnehin außerhalb dieser Möglichkeiten liegt, würde ich selbst Hand anlegen.

Wie lange hält eine Wathose?

Diese Frage lässt sich meiner Meinung nach nicht pauschal beantworten.

Entscheidend ist nicht nur die Qualität der Hose, sondern vor allem:

Wie oft und unter welchen Bedingungen wird sie getragen?

Ein Vollzeit-Guide, der praktisch jeden Tag viele Stunden im Wasser steht, beansprucht eine Wathose vollkommen anders als jemand, der einmal pro Woche oder vielleicht nur einige Male im Monat fischt.

Das ist eigentlich selbsterklärend.

Stellt euch eine Jeans oder Arbeitshose vor.

Wenn ich dieselbe Hose jeden einzelnen Tag zur Arbeit trage, wird sie zwangsläufig schneller verschleißen, als wenn ich mehrere Hosen im Wechsel habe oder sie nur einmal pro Woche anziehe.

Bei Wathosen ist es nicht anders.

Ein Guide läuft damit täglich durch Wasser, über Steine und durch Gestrüpp, kniet, sitzt, steigt ins Auto, wieder aus dem Auto und steht anschließend wieder stundenlang im Fluss.

Natürlich hält eine Wathose unter solchen Bedingungen nicht genauso lange wie bei jemandem, der sie zwanzigmal im Jahr verwendet.

Dasselbe gilt auch für Fischer, die keine Guides sind, aber drei-, vier- oder fünfmal pro Woche ans Wasser gehen.

Die Hose hat schlicht erheblich mehr Einsatzstunden.

Deshalb würde ich Aussagen wie „Meine Wathose hat nur zwei Jahre gehalten“ immer im Zusammenhang damit betrachten, wie sie tatsächlich benutzt wurde.

Zwei Jahre können bei einem Vollzeit-Guide eine enorme Anzahl an Einsatztagen bedeuten.

Meine eigenen Erfahrungen mit der Haltbarkeit

Ich selbst habe über die Jahre fast ausschließlich Markenprodukte verwendet.

Zunächst fischte ich verschiedene Modelle eines bekannten finnischen Herstellers.

Seit ungefähr 2011 habe ich immer wieder unterschiedliche Wathosen eines bekannten Herstellers aus Montana im Einsatz.

Und ich muss ganz klar sagen:

Ich hatte mit meinen Wathosen insgesamt viel Glück.

Die günstigeren Modelle hielten bei mir im Schnitt ungefähr drei Saisons, bevor sich irgendwann eine erste Undichtigkeit zeigte.

Bei älteren Hosen habe ich kleinere Stellen mit Aquasure repariert und konnte sie teilweise noch eine Zeit lang weiterfischen.

Irgendwann kommt allerdings der Punkt, an dem das Reparieren keinen wirklichen Sinn mehr macht.

Wenn man eine Stelle abdichtet und kurze Zeit später die nächste auftaucht, ist das Material irgendwann einfach entsprechend gealtert.

Auch in meinem Bekanntenkreis hatten viele mit guten Markenprodukten ähnliche Erfahrungen und konnten ihre Wathosen mehrere Saisons problemlos fischen.

Gleichzeitig höre ich immer wieder von anderen Erfahrungen.

Manche Wathose wird sehr früh undicht – und das hört man markenübergreifend.

Deshalb gehört für mich bei einer Wathose auch der Service mit zur Kaufentscheidung.

Was bekommt man bei einer sehr teuren Wathose?

Im absoluten Premiumbereich bezahlt man nicht nur dafür, dass eine Hose wasserdicht ist.

Je nach Modell können besonders robuste Laminate, aufwendige Schnitte, zusätzliche Verstärkungen, hochwertige Neoprenfüßlinge, wasserdichte Reißverschlüsse, Verarbeitung, Herkunft und ein umfangreicher Reparaturservice in den Preis einfließen.

Auch die Frage, wo eine Wathose hergestellt wird, kann für manche Käufer eine Rolle spielen.

Einzelne hochwertige Modelle werden beispielsweise weiterhin in den USA gefertigt, während viele andere sehr gute und auch hochpreisige Wathosen in spezialisierten Fabriken in anderen Teilen der Welt produziert werden.

Für mich bedeutet „Made in USA“ deshalb nicht automatisch, dass alles andere schlechter ist.

Wer für eine Wathose allerdings deutlich über 1.000 Euro bezahlt und Wert auf die Herkunft legt, darf meiner Meinung nach durchaus nachschauen, wo genau dieses Modell tatsächlich hergestellt wird.

Das kann heute jeder relativ einfach selbst prüfen.

Bei manchen sehr hochwertigen Wathosen gehört außerdem ein umfangreicher Reparaturservice zum Gesamtpaket.

Die Hose wird bei einem Problem zum Hersteller geschickt, geprüft und – sofern möglich – professionell instand gesetzt.

Für jemanden, der sehr viel fischt oder weit weg von der Zivilisation unterwegs ist und sich auf seine Ausrüstung verlassen muss, kann das ein wichtiger Punkt sein.

Aber auch hier komme ich wieder zur gleichen Frage:

Brauche ich persönlich diesen Aufwand und diese Ausstattung?

Für mich gibt es keinen Preis, ab dem eine Wathose automatisch gut oder schlecht ist.

Mein persönliches Fazit

Ich habe über viele Jahre unterschiedliche Wathosen gefischt – angefangen bei Gummi über dickes Neopren bis hin zu verschiedenen atmungsaktiven Modellen.

Und ich habe dabei wahrscheinlich auch etwas Glück gehabt.

Ich habe fast ausschließlich Markenprodukte verwendet. Zunächst verschiedene Modelle eines bekannten finnischen Herstellers und seit ungefähr 2011 unterschiedliche Wathosen eines Herstellers aus Montana.

Mit diesen Hosen habe ich insgesamt sehr gute Erfahrungen gemacht.

Aber daraus würde ich niemals ableiten, dass jeder automatisch dieselben Erfahrungen machen muss.

Eine Wathose ist ein Gebrauchsgegenstand.

Wir gehen damit durch Gestrüpp, laufen über Kies, klettern über Steine, knien am Ufer und verbringen viele Stunden im Wasser.

Ein Guide, der seine Wathose jeden Tag trägt, wird sie selbstverständlich schneller verschleißen als jemand, der einmal pro Woche oder nur einige Male im Monat fischt.

Auch eine Wathose für weit über 1.000 Euro ist deshalb nicht unzerstörbar.

Für mich muss eine Wathose vor allem gut sitzen, zu meiner Fischerei passen, genügend Bewegungsfreiheit bieten und vernünftig verarbeitet sein.

Und wenn doch einmal etwas passiert, möchte ich wissen, dass Händler oder Hersteller hinter dem Produkt stehen.

Eine günstigere Marken-Wathose kann mehrere Jahre problemlos ihren Dienst leisten.

Eine sehr hochwertige Wathose kann bei intensiver Nutzung, rauen Bedingungen, umfangreicher Ausstattung und gutem Reparaturservice ihren höheren Preis durchaus rechtfertigen.

Ob man das persönlich braucht, muss jeder selbst entscheiden.

Am Ende ist es für mich eigentlich ganz einfach:

Die beste Wathose ist nicht automatisch die teuerste. Die beste Wathose ist diejenige, die zu meinem Körper, zu meinen Gewässern und zu der Art passt, wie oft und wie ich tatsächlich fische.

Und manchmal ist das schönste Kompliment für eine Wathose sowieso ein ganz anderes:

Man schaut sich jedes Jahr die neuen Modelle an, hätte eigentlich Lust auf etwas Neues – und die alte Hose gibt einem einfach keinen vernünftigen Grund dafür.


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