top of page

Fliegenbinden Werkzeug für Anfänger – was braucht man wirklich?

30. Aug.
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept.

Grundausstattung für Einsteiger ins Fliegenbinden mit Schere, Bobbins, Einfädler, Hechelklemme, Whip Finisher, Dubbingnadel und Bindelack.
Meine Empfehlung für Einsteiger ins Fliegenbinden: Mit Schere, Bobbins, Einfädler, Hechelklemme, Whip Finisher, Dubbingnadel und Bindelack ist die wichtigste Grundausstattung bereits komplett.

Fliegenbinden Werkzeug

Wie bereits in meinem Artikel über Bindestöcke geht es mir auch hier darum, Einsteigern zu zeigen, welche Werkzeuge sie zum Fliegenbinden wirklich brauchen, ohne am Anfang unnötig viel Geld auszugeben.

Dabei würde ich trotzdem auf eine vernünftige Qualität achten. Wenn man später merkt, dass einem das Fliegenbinden Spaß macht und man regelmäßig bindet, gibt es bei Werkzeugen natürlich nach oben nahezu keine Grenzen.

Am Anfang ist das aber überhaupt nicht notwendig.

Ich möchte hier deshalb keine komplette Bindewerkstatt zusammenstellen, sondern genau die Werkzeuge zeigen, die ich einem Einsteiger empfehlen würde und mit denen sich vernünftig arbeiten lässt.

Meine Werkzeug-Grundausstattung

Fliegenbinden Werkzeug für Anfänger – meine Empfehlung

Mit zwei Bobbins liegen wir damit zunächst bei ungefähr 41 €.

Warum für mich ein Einfädler dazugehört

Gerade bei günstigeren Bobbins ist die Innenseite des Röhrchens nicht immer so glatt, dass man den Bindefaden problemlos mit dem Mund durch das Röhrchen ansaugen kann.

Natürlich kann man auch anders versuchen, den Faden hindurchzubekommen. Für einen Anfänger sehe ich darin aber keinen Sinn.

Für ungefähr 5 € nehme ich einen Einfädler, ziehe den Faden durch und bin fertig.

Gerade am Anfang gehört er für mich deshalb ganz klar dazu.

Warum ich eine Hechelklemme empfehlen würde

Auch eine Hechelklemme halte ich für einen Einsteiger für wichtig.

Wer lange bindet und viel Gefühl für seine Materialien entwickelt hat, kann viele Dinge auch mit den Fingern führen. Gerade am Anfang fehlt dieses Gefühl aber noch.

Beim Einbinden eines Hechelkranzes kann man beispielsweise die Hechelklemme einfach am Material hängen lassen. Durch ihr Eigengewicht bleibt eine gewisse Spannung auf der Hechel und sie löst sich nicht sofort wieder.

Für ungefähr 3 € würde ich darauf am Anfang nicht verzichten.

Whip Finisher statt unnötigem Kampf mit den Fingern

Beim Whip Finisher bin ich ebenfalls ziemlich eindeutig.

Natürlich kann man einen Half Hitch machen oder einen Abschlussknoten mit den Fingern binden.

Ein Half Hitch ist für mich als dauerhafter Abschluss aber nicht die beste Lösung. Und einem Anfänger gleich beizubringen, den Whip Finish sauber mit den Fingern zu machen, halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll.

Mit einem einfachen Whip Finisher lässt sich ein sauberer und wiederholbarer Abschlussknoten sehr schnell lernen.

Für ungefähr 5 € gehört er für mich deshalb ebenfalls zur Grundausstattung.

Zwei Bobbins sind für mich sinnvoll

Ein Bobbin würde theoretisch reichen.

Ich würde einem Anfänger trotzdem zwei Stück empfehlen, maximal drei.

Das hat auch mit meiner Art zu binden zu tun. Ich binde beispielsweise den Körper einer Fliege mit einem Faden und verwende für den Kopf beziehungsweise den Abschluss häufig einen anderen.

Mit zwei Bobbins muss ich nicht ständig den Faden herausnehmen, einen neuen einfädeln und danach wieder zurückwechseln.

Drei können später angenehm sein. Mehr braucht ein Anfänger meiner Meinung nach zunächst nicht.

Man kann dabei problemlos mit einfachen Bobbins um ungefähr 5 € pro Stück anfangen.

Wer möchte, kann später einmal einen hochwertigeren Bobbin dazukaufen und selbst beurteilen, ob ihm der Unterschied das zusätzliche Geld wert ist. Meiner Erfahrung nach wird ein wirklich deutlicher Unterschied häufig erst bei Modellen ab ungefähr 20 € pro Stück interessant.

Macht euch wegen der Bobbin-Spannung nicht verrückt

Beim Bobbin liest man immer wieder, wie wichtig es sei, den Widerstand beziehungsweise die Fadenspannung möglichst genau einzustellen.

Ganz ehrlich:

Macht euch am Anfang darüber nicht verrückt.

Den Widerstand beim Abziehen des Fadens könnt ihr während des Bindens sehr einfach mit dem Daumen an der Fadenspule regulieren.

Genau so mache ich es selbst.

Bei mir befinden sich beim normalen Binden ungefähr 5 cm Faden zwischen Bobbin und Haken.

Während ich den Faden um den Haken wickle, kommt der Bobbin natürlich immer näher an den Haken. Dann drehe ich die Spule einfach mit dem Daumen etwas weiter und gebe wieder Faden frei.

Brauche ich mehr Spannung, bremse ich die Spule mit dem Daumen etwas ab.

So reguliere ich die Fadenspannung direkt während des Bindens mit der Hand.

Viel wichtiger als irgendeine perfekte Einstellung am Bobbin ist für mich, mit der Zeit ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel Spannung der Bindefaden und das jeweilige Material vertragen.

Eine vernünftige Schere reicht

Bei Bindescheren gibt es gerade und gebogene Modelle.

Eine gerade Schere ist als erste Schere sehr universell und für die meisten normalen Arbeiten vollkommen ausreichend.

Eine gebogene Schere kann später beim Formen bestimmter Materialien oder beim Schneiden dicht am Fliegenkörper Vorteile haben.

Ich würde daraus am Anfang aber keine Wissenschaft machen.

Eine vernünftige Schere reicht.

Ob gerade oder gebogen, ist später auch eine Frage der persönlichen Vorliebe.

Für eine ordentliche Schere würde ich ungefähr 15 € einplanen.

Eine Dubbingbürste muss nicht sofort gekauft werden

Auch eine Dubbingbürste braucht man am Anfang nicht zwingend zu kaufen.

Hier kann man sich sehr einfach selbst helfen.

Ein Stück alter Klettverschluss, auf einen Eisstiel oder ein kleines Stück Holz geklebt, erfüllt seinen Zweck erstaunlich gut.

Wer lieber eine fertige Dubbingbürste kaufen möchte, muss ungefähr mit weiteren 10 € rechnen.

Aber genau das ist ein Punkt, den ich Einsteigern mitgeben möchte:

Nicht für jeden einzelnen Arbeitsschritt muss sofort ein spezielles Werkzeug gekauft werden.

Bindelack und Zahnstocher

Für den Abschlussknoten empfehle ich einen Bindelack auf Wasserbasis. Dafür würde ich ungefähr 10 € einplanen.

Ich verwende solche Lacke bereits seit Jahren. Sie riechen kaum, lassen sich angenehm verarbeiten und erfüllen für mich genau ihren Zweck.

Den Lack trage ich übrigens nicht mit meiner Dubbingnadel auf.

Dafür ist sie mir schlicht zu schade.

Ich nehme ganz normale Zahnstocher aus dem Supermarkt oder vom Discounter. Eine Packung kostet nur wenige Euro und hält praktisch ewig.

Daneben liegt bei mir meistens ein alter Lappen, ein Stück Schaumstoff oder Styropor. Dort kann ich überschüssigen Lack abstreifen oder den Zahnstocher hineinstecken.

Beim Herausziehen ist er wieder sauber und kann weiterverwendet werden.

Ein kleiner Abfallbehälter gehört auf den Bindetisch

Beim Binden fallen ständig kleine Fadenstücke, Federn, Dubbing und andere Materialreste an.

Dafür würde ich einen kleinen Abfallbehälter direkt am Bindetisch vorsehen.

Natürlich gibt es spezielle Modelle, die direkt unter dem Bindestock befestigt werden und das abgeschnittene Material auffangen.

Das kann man kaufen.

Muss man aber nicht.

Ich verwende dafür einfach irgendein Gefäß, das gerade passt.

Das kann ein alter Aschenbecher, eine Metallbox oder auch eine leere Eisbox vom Speiseeis sein.

Hauptsache, die abgeschnittenen Materialien liegen später nicht überall auf dem Tisch und auf dem Boden.

Den Bindetisch würde ich schützen

Je nachdem, wo ihr bindet, würde ich auch über eine einfache Unterlage für den Bindebereich nachdenken.

Das kann eine Gummimatte, eine alte Tischdecke oder etwas Vergleichbares sein.

Dabei geht es mir weniger ums eigentliche Binden, sondern darum, den Tisch vor Lackresten, Kleber und anderen Verschmutzungen zu schützen.

Auch dafür muss nichts Spezielles aus dem Fliegenbindebereich gekauft werden.

Einen Permanentmarker beziehungsweise Edding würde ich ebenfalls in Reichweite haben.

Den dürften die meisten ohnehin zu Hause besitzen. Falls nicht, rechnen wir dafür noch ungefähr 2 € dazu.

Werkzeugablage – auch hier muss nichts Teures gekauft werden

Selbstgebaute Werkzeugablage aus Holz für Fliegenbindewerkzeuge wie Bobbins, Schere, Dubbingnadel und weitere Bindewerkzeuge.
Ein einfaches Beispiel für eine selbstgebaute Werkzeugablage: ein Stück Holz mit passend gebohrten Löchern reicht völlig aus, um die wichtigsten Bindewerkzeuge griffbereit zu halten.

Bei der Werkzeugablage gibt es viele Möglichkeiten.

Entweder legt ihr eure Werkzeuge sauber auf dem Tisch ab oder ihr nutzt die Möglichkeiten, die manche Bindestöcke bereits mitbringen. Bei einigen Modellen können beispielsweise am Fuß oder am Stiel verschiedene Werkzeuge eingesteckt werden.

Man kann sich eine Werkzeugablage aber auch sehr einfach selbst bauen.

Ein Stück Schwemm- oder Treibholz, ein dickeres Brett oder etwas Vergleichbares reicht vollkommen aus.

Mit einem Bohrer setzt ihr einfach dort Löcher hinein, wo ihr sie haben möchtet.

Danach können Bobbin, Dubbingnadel, Whip Finisher und andere Werkzeuge hineingesteckt werden und sind immer griffbereit.

Das muss nicht perfekt aussehen.

Es muss für euch passen.

Und wo kommen Haken, Tungstenperlen und Bindefäden hin?

Auch dafür braucht ein Anfänger noch kein spezielles Ordnungssystem.

Haken, Tungstenperlen und viele andere Materialien werden ohnehin bereits in Kunststoffboxen, kleinen Dosen oder Beuteln geliefert.

Solange die Materialsammlung noch überschaubar ist, können diese einfach gemeinsam in einer normalen Box gelagert werden.

Das kann wieder eine Kunststoffbox, eine alte Dose oder auch eine saubere Eisbox sein.

Bei den Bindefäden ist es genauso.

Am Anfang besitzt man normalerweise noch keine 30 oder 40 verschiedene Spulen. Die wenigen Fäden, die tatsächlich benötigt werden, passen problemlos in eine kleine Box.

Wenn sich später über die Jahre immer mehr Material ansammelt, kann man sich noch früh genug Gedanken über Schubladen, spezielle Sortiersysteme oder einen eigenen Bindeschrank machen.

Am Anfang würde ich auch hier erst einmal das verwenden, was bereits vorhanden ist.

Und was ist mit dem Licht?

Beim Licht würde ich bewusst keine feste Empfehlung oder einen bestimmten Betrag nennen.

Das hängt stark davon ab, wo ihr bindet und wie gut der Arbeitsplatz bereits beleuchtet ist.

Heute bekommt man gute und einfache LED-Lampen praktisch überall.

Früher, vor der LED-Technik, war eine vernünftige Beleuchtung am Bindetisch deutlich schwieriger zu lösen.

Ich rechne eine Lampe deshalb bewusst nicht in unsere Grundausstattung ein.

Der eine braucht zusätzliches Licht, der andere hat bereits einen hervorragend beleuchteten Arbeitsplatz.

Was kostet das Ganze?

Rechnen wir unsere Grundausstattung mit zwei Bobbins zusammen, kommen wir ungefähr auf:

  • Werkzeug: 41 €

  • Bindelack auf Wasserbasis: 10 €

  • eventuell Permanentmarker: 2 €

Damit liegen wir bei ungefähr 53 €.

Wer einen dritten Bobbin dazunimmt, landet ungefähr bei 58 €.

Zahnstocher, Abfallbehälter, Unterlage, Aufbewahrungsbox und Werkzeugablage lassen sich in vielen Fällen mit Dingen lösen, die ohnehin irgendwo im Haushalt vorhanden sind.

Für deutlich unter 60 € bekommt man also bereits eine vernünftige Grundausstattung zum Fliegenbinden – den Bindestock natürlich ausgenommen.

Mehr würde ich am Anfang nicht kaufen.

Vernünftige Qualität ja. Das Teuerste braucht am Anfang kein Mensch.

Erst wenn ihr eine Zeit lang gebunden habt, merkt ihr ganz von selbst, welches Werkzeug ihr besonders häufig benutzt, was euch tatsächlich fehlt und an welcher Stelle sich für euch persönlich irgendwann ein hochwertigeres Werkzeug lohnt.

Und was ist mit einem Twister?

Vielleicht fragt sich der eine oder andere, warum in meiner Grundausstattung kein Twister auftaucht.

Ganz einfach: Für mich gehört das bereits zu einer etwas fortgeschritteneren Bindetechnik. Außerdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, einen Dubbing-Loop oder ähnliche Techniken umzusetzen.

Und ganz persönlich: Ich benutze einen Twister praktisch nie. Vielleicht einmal in ein paar Jahren. Die Muster, die ich überwiegend binde, benötigen diese Technik schlicht nicht.

Deshalb würde ich einem Anfänger auch hier sagen: Erst kaufen, wenn ihr wirklich wisst, dass ihr ihn braucht.

Und was ist mit einem Haaraufstoßer?

Auch einen Haaraufstoßer würde ich für den Einstieg nicht zwingend einplanen.

Natürlich kann er sinnvoll sein, wenn man regelmäßig mit Rehhaar arbeitet und die Haarspitzen sauber ausrichten möchte. Für einen Anfänger ist Rehhaar aber nur bedingt das Material, mit dem ich anfangen würde. Es braucht etwas Übung, und beim Verarbeiten entsteht schnell eine ordentliche Sauerei am Bindetisch.

Deshalb gilt für mich auch hier ganz klar:

Kein Muss für den Anfang.

Wenn ihr später merkt, dass ihr häufiger mit Rehhaar bindet, könnt ihr euch einen Haaraufstoßer immer noch dazukaufen.

bottom of page